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Seekajak-Wissen

Thema 11: Persönlicher Testbericht über den Cetus LV von P&H

Autor: Anke Evers
Stand: Dezember 2009

Alle folgenden Beurteilungen sind rein persönlich und haben auf keinen Fall Allgemeingültigkeit!

Ich bin nun schon seit einer ganzen Weile dabei ein neues, passendes Boot für mich zu suchen. Das ist bei meiner Größe von 167cm und 60 kg und vor allem bei meinen Ansprüchen etwas schwierig. Mein geliebter (und vom Volumen her richtig passender) Shoreline kommt langsam in die Jahre und hat es verdient es ein wenig kürzer zu treten. Der Neue Shoreline gefällt mir von der Form her nicht mehr so gut und den, der aus der alten Form in Polen hergestellt ist, ist zwar günstig, aber es gibt keine Extras, wie Schott auf Maß, eingebauter Kompass oder Wunschfarbe... Außerdem möchte ich irgendwann auch mal in den Genuß größerer Luken kommen und einfach was Neues probieren. Nein!!! – an alle möglichen Interessenten – verkaufen werde ich meinen Shoreline nicht! Es wartet eine dankbare Aufgabe auf ihn, die er im Sommer schon Probeweise übernommen hat.

Was bisher geschah: Ich war auf der Suche nach einem Boot mit folgenden Eigenschaften:

Also, ich habe eine ganze Menge probiert.
Mitte August bin ich dann per Zufall über den Cetus LV von P&H gestolpert. Dieses Boot entpuppte sich als richtiges Low Volume Boot. Hat der ‚normale‘ Cetus (lt. Hersteller) 375 l Volumen, so ist der LV auf 292 l Volumen reduziert.

Dieses Volumen steckt in folgenden Maßen:
L x B: 531 x 54 cm
Cockpit innen: 80 x 42 cm
Cockpithöhe innen: 29 cm
Größte Deckshöhe: 32 cm

Konstruktion:
U-Spanter mit wenig Kielsprung und entsprechend langer Wasserlinie (ich habe den Kielsprung und die Wasser-linie nicht nachgemessen)

Oberschiff:
Drei Luken + Staufach vor der Sitzluke.
Kajaksport Lukendeckel, hinten Oval, vorne rund, Tagesluke rund, Staufach rund (Die Größen habe ich nicht nachgemessen).

Die Sitzposition:
Ich sitze sehr gut in dem Cetus LV. Die Schenkelstützen sind so angebracht, daß sie mir die gesamte Zeit (3 Stunden) einen entspannten und zuverlässigen Halt gegeben haben, ohne Schmerzen in den Hüften zu verursachen. Die Fußrasten beim Serienboot sind wohl etwas weit vorne angelegt, bei mir passen sie in der kürzesten Einstellung. Das Vordere Schott ist serienmäßig sehr weit vorne, so daß ich, auch wenn ich mich ins Boot lege, die vordere Schottwand nicht mit dem Zeh erreichen kann.

Stabilität:
Der Cetus LV fühlt sich sehr stabil an. Dabei hat er eine sehr hohe Anfangsstabilität und eine gute Endstabilität. Es ist ein wenig schwierig in richtig auf die Kante zu legen, aber ich bin dafür wohl nicht beherzt genug. Ich bin halt kein Spielkind.

Das Skeg:
Der Skegschieber ist auf der linken Seite angebracht. Der Cetus LV hat ein von P&H neuentwickeltes Skegsystem, bei dem das Skegseil (herkömmlich aus Drahtseil) durch ein textiles Band ersetzt worden ist. Das Skeg hat durch eine Gummibandkonstruktion im Skegkasten das Bestreben ausgefahren zu sein. Das ‚Skegseil‘ ist sogesehen der Rückholer des Skegs. Der Skegschieber steht ständig auf Zug und wird durch eine Verriegelung, die durch Druck des Schiebers nach vorne entriegelt wird, betätigt. Diese Verriegelung rastet in den vorgesehenen Rasten ein und kann dadurch genau dosiert werden. Durch dieses System kommt es nicht mehr zu verknickten Skegseilen.
Bei der Testfahrt ist mir aufgefallen, daß, je länger ich unterwegs war, desto schwerer ließ sich das Skeg einholen. Ich vermute, daß das Band naß geworden ist und die Reibung im Skegseilkanal erhöht wurde. Dem kann bestimmt durch Silikonfett oder Graphitpaste entgegengewirkt werden. Die Benutzung des Skegs ist gleichzeitig ein Training für den linken Daumen.
Später habe ich gehört, daß P&H das Material des Skegseils noch einmal verändert hat. Außerdem kann man den Druck durch ein etwas längeres Gummiband im Skegkasten verringern.

Die Testbedingungen:
Ich habe den Cetus LV auf der Unterelbe bei Kollmar Probe gepaddelt. Die Testfahrt fand unbeladen statt. Wir hatten Wind zwischen 2 – 4 bft. Dabei kam der Wind in erster Linie von der Seite oder leicht achterlich.

Wirkung des Skegs:
Das Skeg läßt sich fein und passend einstellen. Es steht fest im Wasser ohne merklich zu flattern. Ich hatte auch nicht das Gefühl einen ‚Anker‘ zu schmeißen, wie ich es z.B. von meinem Shoreline gewohnt bin.
Ich hatte das Skeg zu keiner Zeit komplett draußen, was mir sagt, daß noch viel Reserve in der Trimmung des Bootes steckt. Einmal richtig eingestellt ignoriert der Cetus LV die Einflüsse, die es hartnäckig versuchen aus dem Kurs zu bringen.

Fahreigenschaften:
Das Boot läuft sehr leicht grade aus. Ich bezeichne es einfach als flottes Boot. Durch leichtes Ankanten und einen Bogenschlag läßt sich schnell die Richtung ändern. Mit Skeg muß man der der gewünschten Richtungsänderung entsprechend mehr Nachdruck verleihen.
Bei bewegterem Wasser bleibt sowohl der Gradeauslauf, als auch die Geschwindigkeit sowie die Wendigkeit erhalten.
Auch wenn das Boot bei kürzeren Wellen gefühlt mehr platscht, verliert es kaum Geschwindigkeit dabei. Durch den U-Spant schneidet der Cetus LV die Wellen weniger ein, wie z.B. der Nordkapp LV oder auch der Shoreline, die beide einen sehr ausgeprägten Steven haben.
Bei Kabbelwasser, welches in diesem Fall aus eher kleineren Wellen bestand, läßt sich der Cetus LV nicht durch irgendwelche großen Kursänderungen irritieren. Er fährt – hier muß ich sagen: für mich sehr ungewohnt – völlig unbeeindruckt einfach gradeaus.
Bei höheren Wellen schmiegt sich der Cetus LV geschmeidig an und läßt sich flott weiter paddeln.
Achterliche Wellen beeindrucken den Cetus LV ebenfalls nicht. Mit der richtigen Skegeinstellung fährt er einfach den eingeschlagenen Kurs weiter und läßt die Wellen unter sich durchlaufen.

Surfen:
Der Cetus LV ist ein sehr surffreudiges Boot. Sogar ich hatte kein Problem in den Surf zu kommen, wo ich a) nicht gerne surfe und b) meistens unbewußt Surfs verhindere. Im unbeladenen Zustand stand er kurz vorm Einstechen. Es bleibt abzuwarten, wie er sich im beladenen Zustand verhält. Es war kein Problem den Surf zu beenden.

Rollen:

Ich, die nicht gerne Spielchen mit Kopf unter Wasser macht, habe den Cetus LV trotzdem gerollt. Nicht zuletzt weil er mir einmal im Gesamten so gut gefallen hat, sondern auch weil ich so gut darin gesessen habe.
Entweder hatte ich einen sehr guten Tag, oder das Boot läßt sich einfach gut rollen. Ich war darüber jedenfalls sehr erstaunt. Wohl mag den ‚Rollern‘, die sich beim Hochkommen immer auf das Heck legen der Rückengurt im Wege sein. Das kommt daher, weil das Boot so ausgesprochen flach ist. Ich versuche immer mit dem Oberkörper vorne zu bleiben und so störte er mich nicht.

Packen:
Da ich kleinvolumige Boote gewohnt bin und sogar 5 Jahre alles ausschließlich durch die 19er Valleyluken gepackt habe, werde ich mit den großen Luken des Cetus LV mit zusätzlicher Tagesluke erstmal überfordert sein und das Gefühl der losen Schüttung wahrscheinlich nicht loswerden. Einzig einen neuen Bootswagen werde ich mir bauen müssen, da mein aktueller zu hoch ist um ihn wie gewohnt ins Cockpit hinter den Sitz zu stecken.

Vergleich mit anderen Booten:
Eine gute Paddelbekannte hat den Cetus LV ebenfalls getestet. Sie fand ihn nicht außergewöhnlich und sagte um ihrer Meinung Nachdruck zu verleihen: „Ich sitze da genau so gut drin wie in meinem damaligen Sirius und in meinem jetzigen Capella. Vom Fahren her liegt er genau dazwischen.“

Fazit:
Ich war nur einmal wirklich begeistert von einem Boot – und das war damals der Shoreline. Jetzt habe ich im Cetus LV einen Nachfolger für meinen Shoreline gefunden und bin echt froh, die Suche erfolgreich beendet zu haben.







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