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CSCanoe Coaster Pro

geschrieben von Tiefwasser 
CSCanoe Coaster Pro
11. September 2016 21:29
Aus dem Thread Cape Falcon F1 - kennt oder fährt den wer?, insbesondere hier und hier.

Der Coaster ist ein etwas anderes Seekajak: kurz und knubbelig (4,10 x 0.57 m) im Gegensatz zu den gestreckten eleganten Formen englischer Seekajaks.

Auf der Suche nach einem seetauglichen Kajak, dass sich gut ohne Skeg oder Steuer fahren lässt, bin ich im Internet auf den inzwischen in den USA nicht mehr produzierten Coaster von Mariner Kayaks gestoßen. Glücklicherweise musste ich nicht in die USA reisen, um dort eines der dort gebraucht schwer
erhältlichen Boote zu ergattern: der Coaster wird inzwischen in Italien von CS Canoe in Lizenz hergestellt.

Ich habe ihn in der "Pro"-Version in Diolen mit doppelter Abschottung und Decksleinen erworben. Als Sonderausstattung ist ein verstellbares Stemmbrett
statt Fußrasten und die niedrige "Sport"-Rückenlehne dabei. In dieser Ausstattung wiegt der Coaster knapp 21 kg.

Was am Coaster neben dem gedrungenen Bootskörper und dem voluminösen Bug auffällt, ist das Unterwasserschiff: der V-Spant im Bug mit runden "Chines"
geht mittschiffs in eine Knickspantform über und läuft etwas hinter der Mitte über ein flaches "V" in ein "integriertes Skeg" aus. Der Kielsprung ist stark
differentiell, die Kiellinie im Bugbereich hochgezogen. Das Achterdeck ist flach geschnitten und verjüngt sich, von oben gesehen, erst spät zum Heck hin.
Insgesamt sind in der Draufsicht die Süllränder in der Mittelsektion gerade statt wie bei den meisten Seekajaks bogenförmig. Das Vordeck ist im Querschnitt etwa elliptisch (zwischen rund und gefirstet) geformt. Die Ãœberhänge sind kurz, die Wasserlinienlänge entspricht also annähernd der Gesamtlänge.

Ausstattung
Den Coaster habe ich ohne Skeg oder Steuer bestellt. Verbaut sind die Gepäckluken von Kajaksport. Die Deckleinenfittinge sind nicht versenkt. Im
Vorschiff und am Heck würde ich mir jeweils zwei mindestens weitere Fittinge wünschen, der Weg der Leinen von den vordersten Seitenfittings bis zur vorderen bzw. hintere Öse ist doch ziemlich lang. An Bug und Heck sind statt Toggles Tragschlaufen angebracht, hier ist leider zur Anbringung von Toggles Bastelarbeit angesagt (das Schlaufenmaterial ist allerdings so steif, dass man dort ohne Weiteres mit geeigneten Knoten selbst welche anbringen kann). Die von mir ausgesuchte Stemmplatte ist auf einem in Winkelblechen eingehängten Teleskop-Fußrohr angebracht und daher nicht so komfortabel zu verstellen wie moderne Fußrasten, dafür robust; vor allem im Zusammenhang mit Sand ist diese altmodische Befestigung durchaus vorteilhaft. Das Cockpit ist mit 45 cm zwar nicht übermäßig breit, was für guten Seitenhalt sorgt, für mein Empfinden mit 94 cm aber sehr lang (das Cockpit des amerikanischen Originals war kürzer), was dafür allerdings Anfängern und Fahrern mit längeren Beinen entgegenkommen könnte und auch den "Cowboy"-Wiedereinstieg erleichtert.

Verarbeitung
das Laminat ist sauber verarbeitet und macht einen guten Einduck. Die hintere Schottwand ist senkrecht verbaut, leider nicht schräg. Die Gepäcklukenrahmen sind im Innenbereich leider so scharfkantig, dass Packsäcke beim Hineinstopfen daran aufscheuern können. Unzufrieden bin ich mit dem von CS-Canoe verwendeten Kleber: sowohl die Schenkelstützenpolster als auch das Sitzpolster lösten sich bereits nach kurzer Zeit ab (die sehr dünnen Schenkelstützenpolster vermisse ich allerdings nicht). Die abgehängte Kajaksport-Rückenlehne ist übrigens bei intensiven Rollübungen an einer Stelle aus der Aufhängung gerissen, bei der Valley-Rückenlehne meines Vorgängerbootes gab es schon das gleiche Problem. Es scheint ein grundsätzliches Problem bei dieser Art der Aufhängung sein (die Abhängegurte gehen jeweils durch einen Steg in einer Aussparung der Lehne, was sich unter größerer Belastung als Schwachstelle erweist). Der Gesamteindruck ist aber zufriedenstellend. Bis auf das Versetzen der Schottwand lassen sich mit etwas Handarbeit die erforderlichen Änderungen selbst vornehmen.

Fahrverhalten
Der Coaster zeichnet sich durch eine sehr sichere Wasserlage aus. Auch Paddelanfänger fühlen sich von Anfang an wohl darin und er lässt sich weit aufkanten, bevor gestützt werden muss. Das Boot ist auch bei Seitenwellen problemlos zu handhaben. Durch die eingangs beschriebene Bugform läuft er sehr trocken.

Das in früheren Rezensionen beschriebene unproblematische Verhalten im Wind kann ich bestätigen: der Coaster legt sich ohne Fahrt mit dem Bug leicht nach
Lee, ist aber unter Fahrt bei allen Windrichtungen hervorragend ausbalanciert, auch quer zum Wind (bis mindestens 5 Bft nach eigener Erfahrung).

Der Coaster will aktiv aus der Hüfte gefahren werden und belohnt diese Fahrweise auch. Kanten und Carven macht mit diesem Boot richtig Spaß. Leichte
Gewichtsverlagerungen genügen, um den Kurs zu ändern (mit dem Stemmbrett ist dies besonders einfach). In aufrechter Lage läuft er, vor allem für ein Boot
dieser Länge, hervorragend geradeaus, gekantet ist er sehr wendig. In kurzen, kabbeligen Wellen, wie sie vor allem für Binnengewässer typisch sind, setzt das
Vorschiff relativ hart ein. In größeren Wellen ist dafür statt des nassen Eintauchens schlankerer Bugformen eher ein "Aufschwimmen" zu beobachten, und
besonders im Surf bohrt der Coaster überhaupt nicht. Bei achterlicher Welle neigt er erst zum Ausbrechen, wenn es im Surf richtig schnell wird, dabei ist
er noch gut korrigierbar, hier kommt die schon beschriebene Heckform im wahrsten Sinne des Wortes "zum Tragen".

Rollen und Wiedereinstieg
das flache Achterdeck eignet sich hervorragend für Layback-Rollen. Meinem Eindruck nach lässt sich der Coaster sowohl bei der C-to-C-Rolle als auch bei
der Layback-Rolle (Standard-Grönlandrolle) leichter rollen als die von mir ausprobierten Seekajaks britischer Bauart. Bei den "letzten 10 cm" hilft möglicherweise die Knickspantform von der Mitte an bis zum Heck beim Aufrichten des Bootes. Jedenfalls fällt es beim Coaster vergleichsweise leicht über diesen "kritischen Punkt" zu kommen (und da zu bleiben). Da das Cockpit sehr geräumig ist, bin ich allerdings auch schon bei unvorhergesehen Rollsituationen aus den Schenkelstützen gerutscht.
Der "Cowboy"-Wiedereinstieg ist durch die Kombination von Stabilität, niedrigem Achterdeck und langem Cockpit geradezu spielend einfach zu bewältigen.

Tempo
Mit 3,90 Wasserlinienlänge ist der Coaster natürlich kein Marathonboot. Allerdings auch keines, mit dem man auf Wanderfahrt hinter der Gruppe zurück bleiben muss: von mir erreichte Geschwindigkeiten bei guten Bedingungen (stehendes Gewässer, Rundkurs) sind fast 8 km/h auf einer Strecke von 10 km und 7 km/h auf 20km, wobei anzumerken ist, das ich ein Paddler mit einer eher geringen Jahreskilometerleistung und nicht besonders trainiert bin.

Zuladung
Das Seakayaker-Magazine hatte das Volumen des Coaster mit 360 l angegeben (Herstellerangabe 352 l), womit der Coaster im Gesamtvolumen trotz
seiner geringen Länge nach derzeit gültigen Maßstäben in der "Medium-Volume"-Klasse spielt. Für vorderen Stauraum habe ich 80, für den hinteren 90 l ermittelt, was ebenfalls den Werten in der MV-Klasse entspricht. Im Fußraum wären für mittelgroße Fahrer bei einem Schotteinbau auf Maß sicher noch 10-20 l Reserve. Nettes Detail: durch das Entfallen des Skegkastens wird das Packen im hinteren Stauraum erleichtert.

Fazit
der Coaster ist ein agiles, gut kontollierbares, unkompliziertes und dabei für seine Länge recht flottes Boot für eine aktive Fahrweise mit breitem Einsatzbereich vor allem für Paddler, die "pur" fahren wollen oder keine Lust auf eventuell anfällige Mechanik (Steuer, Skeg) beim Paddeln haben. Er kann als
tourentauglicher "Player" angesehen werden, sofern keine mehrwöchigen Expeditionen geplant sind. Spielen in der Brandung und Rollen machen richtig
Spaß, durch die Wendigkeit und geringe Länge lässt er sich auch binnen auf kurvigen Flüssen gut einsetzen. Ausstattung und Verarbeitung sind, von einigen
behebbaren Schwächen abgesehen, gut.

Für schwere Fahrer oder Fahrten mit viel Gepäck gibt es übrigens von CS-Canoe eine gestreckte Version des Coasters, den Korsa 15.4 mit einer Länge von 4,70 m. CS-Canoe hatte mir allerdings bei meinem Körpergewicht beim ursprünglich von mir angedachten Korsa zu einem Steuer geraten - weshalb es dann doch das kürzere Original ohne Steuer geworden ist.

In Deutschland läßt sich derzeit (2016) keine Variante bei einem Händler probefahren. Der deutsche Importeur (Kanu-Out-Door), führt den Coaster
nicht im Katalog, man kann das Boot allerdings problemlos über ihn beziehen.

Zusammenfassende Bewertung
+ Stabilität, Wendigkeit, Geradeauslauf, Schlechtwettertauglichkeit, Surf, Rollen, Gepäckvolumen, Vielseitigkeit, keine Steuerhilfe nötig
± sehr langes Cockpit (je nach Präferenz).
o Tempo
- leichte Schwächen in der Verarbeitung und Ausstattung, hintere Schottwand nicht schräg eingebaut

Technische Daten des vorgestellten Bootes im Ãœberblick
Länge ü.A. : 4,10 m
Länge Wasserline: ca. 3,90 m
Breite ü.A.: 57 cm
Gesamtvolumen: 360 l laut Seakayaker Magazine, Herstellerangabe 352 l
Gepäckvolumen vorn und hinten: 80 u. 90 l (selbst ausgelitert)
Ausführung: "Pro"-Version, 2-fach geschottet
Material: Diolen
Gewicht: 21 kg (eigene Messung)

Sonstige Angaben
"Erscheinungsjahr": 1985 (Mariner Kayaks)
Hersteller: CS Canoe, Italien
Importeur: Kanu-Out-Door

"Test"-Rahmenbedingungen
Fahrer: 1,75 groß, ca. 80kg
Kajakerfahrung: 3 Jahre
Salzwasser: Anfänger, Brandung bei 3 - 4 Bft, Wellenhöhe ca. 80 cm, teilw. brechend, sonst Wind bis 5 Bft (geschütztes Küstengewässer).

Varianten
Corsa 15.4 von CS-Canoe (auf 4,70m verlängerte Version des Coasters)
Cape Falcon F1, ein auf dem Coaster basierender Skin-On-Frame-Entwurf.
LH Coaster von Lars Herfeld, der F1 in Sperrholzausführung.

Links
Coaster, CS Canoe
Coaster, Mariner Kayaks (mit ausführlicher Rezension des Seakayker Magazines)
Artikel "In Praise of The Coaster"
Cape Falcon F1

Edit: 03.11.2016: Titel geändert und Forum-Links eingefügt
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