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Fitnesskajak oder Marathonkajak

geschrieben von Ursen 
Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 10:21
Hallo Zusammen,

Möchte mich kurz vorstellen. Ich bin 41 Jahre alt, und habe seit kurzem das Paddeln für mich entdeckt. Momentan benutze ich ein altes, als gebraucht gekauftes Boot, ein Prijon Yukon E in GFK, Gewicht etwa 18 kg laut meiner Personenwaage. Damit fahre ich nahezu täglich zwischen 5 und 10 km vor dem Frühstück.

Nun steht mir der Sinn nach einem neuen Boot, schön soll es sein, sportlicher, leichter und moderner. Und des soll keine Heckflosse haben, sondern die Steuerpinne unter dem Heck versteckt!

Zuoberst auf meiner Wunschliste steht ein Nelo Viper 55, 51 oder 48. Nächste Woche darf ich die drei Boote probepaddeln, und weiss nachher sicher mehr darüber. Aber beim Lesen auf verschiedenen Herstellerseiten und hier im Forum sehe ich immer wieder sogenannte Marathon-Boote (Probst Swift, Lettmann Streamliner usw.).

Was ist eigentlich der prinzipielle Unterschied zwischen einem Fitnessboot und einem Marathonboot? Darf man auch mit einem Fitnessboot an einem Marathon teilnehmen? Sind Marathonboote schneller? Sind Fitnessboote schneller? Ist eines von beiden besser beherrschbar?

Vielleicht zu meinem Revier: ich wohne am Vierwaldstättersee, und fahre eigentlich (bisher) nur da. Ich selbst bin 78 kg schwer und 172 cm gross, falls das irgendeine Rolle spielt.

Vielen Dank bereits im Voraus für Eure Erklärungen.

Herzliche Grüsse
Urs
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 10:47
Hallo Urs,
willkommen im Forum. Mir ging es letztes Jahr wie Dir, ich bin vorher mit einem selbstgebauten Night Heron mit Flachboden und 51cm Breite gepaddelt. Angefangen mit dem Paddeln habe ich auch im selben Jahr, hatte also keine Vorerfahrungen. Im Oktober bin ich auf die Viper48 umgestiegen und bin immer noch sehr zufrieden damit, daher kann ich Dir kurz darüber berichten.
Für meine Körpermaße (178cm, 72 Kg) waren mir die anderen Vipers zu voluminös und schwerer zu handhaben als die wackelige 48, die ein bequemer Wanderschuh passt. Wenn Du was flottes suchst, würde ich wirklich nur die 48 in Betracht ziehen. Marathons kannst Du mit allen fahren, bei ICF-Rennen wirst Du aber niemanden sehen, der in so einem "gemütlichen" Teil fährt. Und im Breitensport gibt es normalerweise keine Beschränkungen bez. Länge oder Gewicht. Rechne damit, dass die ersten Versuche/Ausfahrten sehr gewöhnungsbedürftig sind, die 48 muss schon wie ein Rennboot gepaddelt werden, sonst wird es schnell ätzend. Bei mir hat es 5 Ausfahrten gedauert, bis ich sicher war, danach will man nicht mehr zurück.
Was "Fitness- vs. Marathon" angeht, vergiss das schnell, alles Marketing - wichtig ist, dass Du gut drin sitzt, soll ja Spaß machen.
Für die Geschwindigkeit sind deine Muskeln verantwortlich, bei mir reichte das bisher trainiert für einen knappen 10er Schnitt – damit gewinne ich sicher keine Rennen. Im Sprint gehen schon mal 15km/h, aber wirklich nur für sehr kurze Zeit, ab 10Km/h merkt man die Bremse durch die Rumpfform sehr deutlich.
Es gibt auch andere Fitnessboote, die schmaler (-> etwas schneller) sind und einen flacheren Rumpf haben, finde ich bei bewegtem Wasser aber schwerer zu kontrollieren. Herausragend bei Nelo ist m.E. die Ergonomie von Sitz und Stemmbrett, da gibt es sehr viele Variationsmöglichkeiten (ich fahre z.B. den Ultra low Seat, viel angenehmer in der Rotation als der Standardsitz). Das Verstellen ist leider immer etwas frickelig.
Solltest Du dich für die Viper entscheiden, lass sie Dir auch im Bug abschotten, das erleichtert den Wiedereinstieg enorm.

Sehr nett finde ich auch den Nelo Classic, aber leider ist das Wasser hier in Berlin zu oft zu kabbelig und da taucht der Bug dann zu schnell ab. Habe mir daher jetzt einen Oceanski 560 gekauft, quasi der Sea Vanquish als Surfski.

Grüße Matthias
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 10:54
Die genanten Nelos gehören mehr oder weniger zur Klasse der Touringboote. Immer 520 cm lang, in der Regel 51 cm breit und das Gewicht meistens unter 12 Kg.
Weitere Infos findest Du in diesem Thema guckst Du
Der Streamliner ist Lettmanns Versuch in dieser Klasse auch ein Boot zu stellen. Da ich selber einen hatte: zu schwer und zu teuer.
Und mit 52 cm auch ein bißchen zu breit.
Genauso gute Derivate bekommst Du von Kape Kajak. Das Pendant zur Viper wäre dann der Kape Spirit.
Auch bei Neumann gibt es Touringboote coastfighter oder den escape

Der Swift wie andere Vertreter seiner Art sind immer länger, bei ähnlicher Breite. Dazu gehören dann wohl in der gemässigten Klasse der Neumann Spirit oder auch der Speedliner.

Es gibt dann aber auch noch jede Menge anspruchsvollere Modelle wie zum Beispiel die hier Ruahine oder der Horn
Die fallen dann aber auch schon fast wieder in die Kategorie Seeracer.

Ps:
Wer hier Kanuveranstaltungen 2016 Termine ergänzen kann....
immer her damit!
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 12:03
Salut,

hatte selbst eine Weile zwischen Viper 51, Escape, Spirit und Ocean-X, Civet-Cat und irgendeinem Kape geschwankt.
Die Viper fand ich kippliger als den Escape, ob auch schneller konnte ich wegen dem "Kippliger" nicht rauskriegen. Der Coastfighter ist vorne dermaßen breit, dass man mit einem Wingpaddel ständig aufpassen muss, das Boot nicht zu verprügeln. Willy versucht das mit Rallyestreifen etwas zu kaschieren, aber die Silhouette lügt nicht. – Sonst sicher auch ganz nett.

Spirit und Ocean-X finde ich relativ ähnlich. Trotz der unterschiedlichen Breiten ganz klar stabiler als Escape oder Viper 51. In allen Booten hat man sehr viel Platz für seine Gräten. Spirit und Ocean-X sind im Einstichbereich des Paddels aber deutlich breiter. Optisch hätte mir der Ocean-X am besten gefallen. allerdings habe ich schon ein langes Boot. Im direkten Vergleich fand ich, dass der Spirit eine Kleinigkeit leichter und freundlicher läuft. Für meine Zwecke sollte auch ein Wiedereinstieg gut möglich sein, was ich beim spirit und beim Ocean-X voll vergessen kann. Beim Escape kann jeder, der auf ein dickes Surfbrett steigen kann ganz easy übers Heck wieder rein.

Aus vielleicht ähnlichen Überlegungen wie bei Dir, Urs, habe ich mich für den Escape entschieden, den ich sicherlich auch nicht mehr hergeben werde. In Vaijda und Kape habe ich mich wegen der weiten Anreise erst gar nicht mehr reingesetzt.

ach ja, ich heiße Chris, wiege 85 Kilo und Boote sind meine größte Spinnerei.cool smiley
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 12:21
Guter Punkt Chris, das Thema Einstich finde ich auch wichtig. Ich hatte auch mit den Neumann-Booten geliebäugelt, von verschiedenen Seiten wurde mir dann aber zu den Vipers geraten, weil ergonomischer und besser getrimmt – ich kann's nicht beurteilen, bin nie einen Neumann gefahren.
Der Einstich bei der Viper 48 ist jedenfalls hervorragend, kaum ein Unterschied zum Rennboot, hier wird auch schon das Rennstemmbrett verbaut, der Fußraum ist entsprechend eng.
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 14:25
Hallo Urs,

wenn du weiter nördlich wohnen würdest, würde ich dir auch noch Roock-Schmidt in Hamburg empfehlen. Alleine schon, weil die, im Gegensatz zu den meisten anderen genannten Herstellern, ihre sehr guten Boote nicht in Billiglohnländern herstellen.

Da du gerade erst angefangen hast, würde ich dir empfehlen dich langsam zu steigern. Viele Boote, die im Katalog harmlos ausschauen sind dann auf dem Wasser doch oftmals eine Kategorie zu hoch und verlangen viel Erfahrung. Ein schnelles Boot ist außerdem nicht schnell, wenn die Technik nicht stimmt. Also erstmal in einem sicheren Boot eine gute Paddeltechnik, sauberes Ein- und Aussteigen etc. lernen und dann weiter umschauen. Außerdem ist es aus sportmedizinischer Sicht überhaupt nicht vorteilhaft gleich krass schnell los zu Paddeln. Wozu ja schnelle Boote durchaus verleiten. Der Körper muss über einen langen Zeitraum erst daran gewöhnt werden lange Strecken schnell paddeln zu können. Sonst sind die Sportverletzungen vorprogrammiert.

Da du in der Schweiz wohnst und den Vierwaldstättersee als dein Heimatrevier nennst, würde ich dir einen Besuch bei Probst empfehlen. Der Swift ist für diese Art von Gewässern und deine Körpermaße konstruiert worden. Andernfalls ist ein Blick auf den Gebrauchtbootmarkt immer sinnvoll. Gerade für den Anfang.

BG

Konrad
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 15:00
Nun steht mir der Sinn nach einem neuen Boot, schön soll es sein, sportlicher, leichter und moderner. Und des soll keine Heckflosse haben, sondern die Steuerpinne unter dem Heck versteckt!

Hallo Urs.
Ich suchte ein Boot das ich auf's Dach lupfen kann und zum Spaß an der Freude.Auf ner Padelveranstaltung sah ich dieses Boot.

[www.willyneumann.de]

Ich habe mich auf den ersten Blick verliebt,( schaut live viel besser aus) mein bissel Hirn viel aus und nun habe ich Spaß an der Freude.

LG Armin
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 15:31
Wenn auf Deiner Paddelstrecke zum Spätsommer oder Herbst Grünzeugs im Wasser schwimmt, würde ich keinen steilen Bug wie bei der Nelo Viper-.Serie, sondern einen flacheren Bug wie z.B. bei dem Escape und der dänischen Coast-Serie wählen.
Richtige Marathon-Kajaks sind wegen der Portagen sehr leicht (ca. 8 kg) - und entsprechend teuer.
VG
Wackelpeter
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 15:36
Wow, vielen Dank für die Antworten, dachte nicht dass so schnell so viele kompetente Ratschläge kommen.

Also, Kape-Kajaks habe ich auch angeschaut und bereits einmal angerufen. Eigentlich sehr interessant, da dürfte man sich auch reinsetzen und testen, aber für mich mehr als 5 Stunden Autofahrt pro Weg! Die Nelo gibt's am Bodensee zum testen, und das werde ich nun einmal tun und mir eine eigene Meinung bilden. Wenn solche Boote soviel schwieriger zu Paddeln sind als mein Yukon E, schiebe ich die Anschaffung vielleicht auch einfach 1/2 Jahr heraus und übe zuerst noch. Mit dem Yukon erreiche ich eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 8,5 km/h (10 km in 70-75 Minuten), bin also noch nicht der "sportliche" Paddler. Aber das kommt sicher noch.

Bei den Neumann-Booten würde mir die Coastfighter oder Coastline auch gefallen, aber die sind schon deutlich teurer als Nelo. Die meisten anderen Kajaks, sei es Escape oder Neumann Spirit gefallen mir einfach optisch nicht so gut. Ja ich weiss, Aussehen sollte man nicht so hoch bewerten. Aber wenn mir ein Sportgerät gefällt, ist auch die Motivation höher/einfacher. Den Probst Swift behalte ich mal im Hinterkopf, falls ich mit den Nelo's nicht warm werde.

Aber schon mal vielen Dank an Alle. Nun weiss ich, dass man in der Auswahl völlig frei ist, auch wenn man irgendwann mal einen Marathon fahren möchte.

Ich melde mich auf jeden Fall nächste Woche wieder hier, und berichte vom Probe-Paddeln.

Gruss
Urs
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 15:48
Zitat
Haubentaucher
Der Coastfighter ist vorne dermaßen breit, dass man mit einem Wingpaddel ständig aufpassen muss, das Boot nicht zu verprügeln. Willy versucht das mit Rallyestreifen etwas zu kaschieren, aber die Silhouette lügt nicht. – Sonst sicher auch ganz nett.

Das CoastFighter-Farbdesign hat keine Ralley-Streifen, sondern ist der Bauart des aus drei Schalen bestehenden (rechts, links und oben) dänischen Original-CoastFighter geschuldet, die Willy Neumann farblich aufgreift.
Der CoastFighter hat etwas mehr Volumen im Überwasserschiffbereich, um mit dem Bug bei bewegtem Wasser nicht ganz so tief in Wellen zu tauchen. Dieses etwas Mehr an Volumen im Vorderschiff habe ich bislang nie als problematisch empfunden. Der CoastFighter ist bei mir auf 1 km nur ca. 4 Sekunden langsamer als der Escape, was an dem zusätzlichen Skeg des CoastFighter liegen dürfte, und m.E. und für meine Belange (Flachwasser Fluss und See bis Windstärke ca. 5 und tw. unangenehmen, kurzen und steilen Wind- und Strömungswellen, bei diesen Bedingungen statt des Escape auch gut für ab und an mal einen Breitensportmarathon oder Quadrathlon) das aktuell beste und ausgereifteste Boot dieser Klasse.
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 15:53
Zitat
Vanderalm
... mir wurde aber zu den Vipers geraten, weil ergonomischer und besser getrimmt ...
... bei der Viper 48 ... wird auch schon das Rennstemmbrett verbaut, der Fußraum ist entsprechend eng.

Eng zu den Seiten hin ist er auch, aber kein Gequäle bis man drin ist und dann weil man drin ist.

Die Laminate und die gesamte Verarbeitung der Rümpfe sind bei Neumann absolut o.k. Die angepeilten Boote gibts ohnehin nur noch in MK 2 und 3, die auch früher am unproblematischsten waren.

Die Ausstattung ist minimalistischer als bei Nelos, Lettmännern und anderem in dem Segment. In Neumannbooten kann man mit der serienmäßigen Ausrüstung gut fahren, aber es gibt keinerlei verzichtbaren Spielkram. Der Sitz ist eine Mulde, in deren Mitte die meisten Hintern gut aufgehoben sind. Ich würde ihn gerne etwas neigen, aber er ist wie er ist und ich habe mich dran gewöhnt*. Alles metallene ist (seit vielen Jahren) rostfrei. Das Stemmbrett kann man gut verstellen, aber nicht schnell. Der untere, wichtigere Teil ist sehr stabil. Das Steuer ist auch sehr solide und sehr ordentlich gebaut, der Deckel im Schott ist preiswert, aber richtig dicht, ... usw.
Irgendwoher kommt der relativ gute Preis auch halt aus dem Bereich der Gestehungskosten – nicht nur deswegen, weil Willy im Gegensatz zu Nelo nicht jedem begabten Paddler ein Boot hinstellt und erheblich weniger Werbung macht.

Der Trimm im Escape ist grundsätzlich ausgewogen. Will man flotter fahren und wiegt unter 90 ... 100 kg sitzt man mit dem Sitz ein Loch** weiter vorn, oder für ganz Leichte vielleicht noch eins weiter vorn besser, weil er dann hinten weniger absackt. Sonst sitzt man in der Mitte gut. Etwas stabiler, wellenfreundlicher, aber auch lahmer ist er ein Loch weiter hinten.

HF, Chris


* wartet bis mein anderes Kanu fertig ist
**(Loch! - keine Raste, s. Ausstattung)
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 16:01
Zitat
Haubentaucher
Der Trimm im Escape ist grundsätzlich ausgewogen. Will man flotter fahren und wiegt unter 90 ... 100 kg sitzt man mit dem Sitz ein Loch** weiter vorn, oder für ganz Leichte vielleicht noch eins weiter vorn besser, weil er dann hinten weniger absackt. Sonst sitzt man in der Mitte gut. Etwas stabiler, wellenfreundlicher, aber auch lahmer ist er ein Loch weiter hinten.
HF, Chris
* wartet bis mein anderes Kanu fertig ist
**(Loch! - keine Raste, s. Ausstattung)

Da stimme ich zu - bin mit dem Bumfortable (in der Position "stufenlos" verstellbar) im Escape aktuell auf dem Weg nach ganz vorne, wodurch er außer Geschwindigkeit auch noch eine gute Führung vorne erhält, wohingegen er mit dem Sitz hinten im Vorderschiff immer etwas "lose" und unruhig wirkt.
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
17. Juni 2015 17:30
Zitat
Nuuktuu

Da du in der Schweiz wohnst und den Vierwaldstättersee als dein Heimatrevier nennst, würde ich dir einen Besuch bei Probst empfehlen. Der Swift ist für diese Art von Gewässern und deine Körpermaße konstruiert worden.

Für 'Körpermaße' stimmt die Aussage, aber der Swift ist als 'Rennseekajak' durchaus für rauhe Bedingungen gedacht, und ich setze ihn auch so ein. Du solltest dann allerdings die doppelt geschottete Version nehmen.

Gruß, Arnim
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 00:23
Hallo Urs,

auch von meiner Seite ein herzliches Willkommen!

Um auf Deine Fragen einzugehen:

Was ist eigentlich der prinzipielle Unterschied zwischen einem Fitnessboot und einem Marathonboot?
Die Bezeichnungen sind nicht geschützt und können -je nach sportlicher Ausrichtung- verschiedene Bootstypen beschreiben. Gerade im Forum gehen die Zuschreibungen teils weit auseinander. Um es an konkreten Beispielen festzumachen, was alles Fitness- und Marathonboote sein können:
-Da gibt es die flotteren Wanderboote (Lettmann Speedliner, Streamliner, Neumann Spirit, Pyranha Speeder, Probst etc.) für Flussfahrten, Küstenmarathons oder die schnelle Feierabendrunde. Typisch dafür: meist mit Schenkelstützen, hinteres Klappsteuer, Steuerpedalen, Wanderbootsitz bzw. Sitzschale. Das wäre die "umgangsfreundlichste" Bootsklasse für den Einstieg ins schnelle Paddeln.
-Dann wären da die Touren- oder Touringboote, die sich ursprünglich von der dänischen Turboot-Klasse (51cm breit, 520cm lang und bestimmte Maße am Unterschiff) ableiten. In Skandinavien sind diese Schiffe für Tourenrennen mit Volkssportcharakter sehr beliebt. Eine Menge 51cm breite Boote, wie die Nelo Viper 51, Kape Spirit 51, Zedtech TT 51, Roock-Schmidt Touring K1, Plastex Marathon Master, Vajda Civet Cat, Neumann Coastserie und noch einige mehr. Von denen gibt es auch stabilere/breitere Versionen, z.b. Nelo Viper 60, 55 oder Zedtech TT 55, um nur einige zu nennen. Eine abgewandelte Form sind noch die "Searacer", die durch Abschottung und höheres Volumen auch für den Küsteneinsatz geeignet sind (Elio Albatroz, Nelo Sea Vanquish, Zedtech Cruzader usw.). Allen gemeinsam ist: Einbauten wie beim Rennboot, das heißt Stemmblock vorne, Pinnensteuer zw. den Füßen und Unterflursteuer hinten. Rennsitz, meist aus Carbon. Keine Schenkelstützen. Eine große Luke, in die man nur mit Rennboot-Manier einsteigen sollte, nicht mit der Paddelstütze einsteigen sollte. Weitere Besonderheit: wie beim Rennboot erreichen diese Boote erst mit einem Wing-Paddel und der entsprechenden Technik ihren optimalen Vortrieb.
-Für die fitnessbegeisterten Kanuten, die Fortgeschritten sind und die "Lunte gerochen" haben, gibt es zum schmaleren abgewandelte Tourboote, die aber meistens dann Master-Kajak genannt werden. Bei denen sind die Unterschiede, was die Stabilität und das Volumen angeht, sehr groß. Zu den "stabileren" gehören die Nelo Viper 48, der Zedtech TCR+, der Connect Raptor XT, der Plastex Swift oder der Kape Master 46. Schneller und schmaler wird es dann beim Nelo Quattro Classic, dem Vajda M-Sonic (für schwere Jungs und Mädels), Vajda Spirit, Neumann Speed, der Zastera Master 90 oder 110, dem Connect Raptor LX oder dem Kape Master 44. Allerdings sollte man sich als Quereinsteiger nichts vormachen: diese Boote verlangen regelmäßiges Training und je nach Talent ein paar Jährchen, um die nötige Sicherheit zu erlangen und eine gute Technik zu fahren.
-Auch im Leistungssport sprechen die Rennsportler von "Marathonbooten". Damit sind dann allerdings aktuelle Rennboote gemeint, die aber etwas mehr Stabilität haben. Als Vertreter fallen mir der Nelo Vintage, Zedtech Sleipner oder Vajda Supersonic 02 (älter) ein, die regelmäßig bei den Marathonmeisterschaften gefahren werden. Vorteil dieser Boote: bei den Portagen und den rauhen Positionskämpfen mit Wenden bieten sie etwas mehr Stabilität. Auch für die längeren Strecken ist etwas mehr Sicherheit im Spiel. Der konstruktionsbedingte Unterschied zu den aktuellen Rennbbooten ist allerdings nicht sehr groß.

Darf man auch mit einem Fitnessboot an einem Marathon teilnehmen?
Auch das ist zumindest in Deutschland nicht reguliert und wird je nach Veranstaltung mehr oder weniger streng ausgelegt. In der Szene habe ich eigentlich zwei Arten von Paddlern wahrgenommen. Entweder die Breitensportfraktion, die eher aus dem Wandersport kommt und dann mit ihren Streamlinern, Spirits und dergleichen eine flotte Runde beim Marathon mitfahren. Oder die ambitionierteren Kreise, die sich häufig aus ehemaligen Rennsportlern rekrutieren und auch entsprechende Boote mitbringen. In Dänemark hingegen gibt es eindeutige Kriterien für die Tourbootrennen. Eben nur Turboote dürfen teilnehmen.

Sind Marathonboote schneller? Sind Fitnessboote schneller?
Wie ich gerade ausführte, sind die Begriffe ja ziemlich konfus. Ich würde die Frage daher von einer anderen Seite beantworten: das tendenzielle schnellere Boot ist das, was einen sicheren Paddler mit Bootsgefühl, Wellenfahrtaktik (essenziell bei Marathonrennen!), Kraft/Ausdauer-Kondition und einer sauberen Technik hat. Diese sportlichen Aspekte bringen wesentlich mehr (gerade als Quereinsteiger), als sich in zu kippeligen, aber von den baulichen Möglichkeiten her schnelleren Booten unsicher abzustraucheln.

Ist eines von beiden besser beherrschbar?
Mit Deiner letzten Frage möchte ich meine kleinen Ausführungen beschließen. Beherrschbar ist das Boot, in dem Du gut sitzt und Dich wohlfühlst. Und dass Du je nach Deinem Stand des körperlichen Lernens mit einer guten Technik über längere Zeiten ohne große Unsicherheiten fahren kannst. Es gilt sich daher durchzutesten, wie bei einem paar Schuhe. Die fallen ja bekanntlich auch verschieden aus, trotz gleicher Größen! :-)

Einen, so hoffe ich für Dich praktischen Ratschlag am Ende: der Umstieg vom Yukon E ins Marathon-/Fitness-/Tourenboot wird eine ziemlich Umstellung sein, gerade am Anfang. Auch die Erlernung der Wingpaddeltechnik ist für viele Quereinsteiger eine erste Herausforderung, da sich der Körper erst an die andere Belastung gewöhnen muss. Aber lasse Dich nicht entmutigen, auch wenn Du häufiger Bekanntschaft mit dem Wasser machen solltest. Bei regelmäßigem Training kann man alles erlernen. Bis Du beim aktuellen Rennboot angekommen bist, könnten allerdings ein paar Jahre vergehen... Das erachte ich-zumindest aus meiner Erfahrung- als realistisch. Sinnvoll erscheint es mir in Deinem Falle, zunächst in den 55er-Tourenbootbereich hereinzuschauen. Diese Boote bieten einen guten Kompromiss zwischen Stabilität und Agilität. Und Quereinsteigern aus dem See- bzw. Wanderkajak finden mit Ambitionen ganz gut in diese verzeihenden Boote. Wenn dann das "Badewannengefühl" in diesem Boot eintritt, wirst Du ganz automatisch den Drang verspüren, in die nächst schmalere Bootskategorie upzugraden!

Gute Nacht und viele Grüße an den Viewaldstättersee,
Flatwater
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 11:15
Hallo Urs,
ich habe sogar erst mit 55 Jahren mit dem Paddeln begonnen (1,72, 72kg) und bin seinerzeit dann auch von einem Prijon Motion auf die 55er Viper und Wingpaddel umgestiegen, das ging so gut, dass ich mir nach einem halben Jahr die 51er Viper bei Micha Gußer bestellt habe.
Fortan war ich der "Bademeister" im Verein.
Inzwischen habe ich als dritte Viper die 48er.
Dazwischen liegen aber sieben Jahre und 18tausend Paddelkilometer.
Will sagen, lass es langsam angehen.
Die Probefahrt wird der richtige Einstieg sein, du musst dich wohl und sicher im Boot fühlen, dann bleibt der Kopf frei und der Spaß erhalten. Bei den NELOs kannst du eigentlich nichts falsch machen, klar fängt sich am Bug einiges, das läßt sich jedoch recht leicht wegwippen, aber das Feintuning hinsichtlich der Sitzposition und die Verarbeitungsqualität ist hier vorbildlich, wie auch der Wiederverkaufswert.
Wir haben ja auch mehrere Neumann, Struer, Plastex, Lettmann und Kape im Verein; allgemeiner Tenor: einmal NELO immer NELO ;-)

Den Tipp von Matthias bezüglich der Abschottung solltest du beherzigen, dazu ist bei der Bestellung die Vorfinne (vor dem Steuer) sehr empfehlenswert.

Beste Grüße aus Berlin-Wannsee von Jörg
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 11:59
@ Flatwater

Absolut top = wunderbar beschrieben!! thumbs up


VG
v. alten Franky
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 12:12
Zitat
Ursen
Wenn solche Boote soviel schwieriger zu Paddeln sind als mein Yukon E, schiebe ich die Anschaffung vielleicht auch einfach 1/2 Jahr heraus und übe zuerst noch. Mit dem Yukon erreiche ich eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 8,5 km/h (10 km in 70-75 Minuten), bin also noch nicht der "sportliche" Paddler. Aber das kommt sicher noch.

Rausschieben halte ich für relativ sinnlos. Der Umstieg vom breiten, gemütlichen Yukon wird Dir zu jedem Zeitpunkt erstmal Mühe bereiten. Aber entscheidend ist dabei doch eher, ob Dein Wille groß genug ist, dass Du nicht gleich nach den ersten 3 Kenterungen das Handtuch wirfst. Sofern Du noch nie im Rennboot gesessen bist, wirst Du wohl auch den "Bein-Zitterer" bekommen, den wird man nur durch drinsitzen und drüber schlafen los, damit sich der Körper dran gewöhnt.
Wesentlicher Vorteil von einem Boot wie der Viper ist aber, dass Du Dir automatisch eine saubere Technik angewöhnen musst, d.h. Du setzt weniger die Arme und überwiegend Bauch- und Rückenmuskulatur ein. Damit fährst Du länger, schneller und entspannter, das Verletzungsrisiko ist viel geringer.
Und wenn Du mit dem kurzen Yukon einen 8,5er Schnitt erreichst, ist das schon allerhand…
Viel Spaß beim Testen!
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 12:18
"Und wenn Du mit dem kurzen Yukon einen 8,5er Schnitt erreichst, ist das schon allerhand ..."

Hei hei, schon mal nen Yukon E gefahren oder auch nur gesehen? Das ist ein ziemlich sportliches und schnelles Wanderboot, auch nur 55 cm breit und eigentlich schon was für fortgeschrittene Paddler. Da kann man ziemlich flott drin fahren. Ich hätte gern einen für flotte Seekajaktouren. Leider haben wir im Verein nur olle ungeschottete.
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 12:36
Hallo Urs,
fast tägliches Training hört sich nach sportlichen Ambitionen an, zu den Booten wurde ja schon eine Menge geschrieben, am Ende wirst Du nicht umhin kommen Dir zwei schnelle Boote zu besorgen, eines für ruhiges Wetter (Touringboot->Masterrennboot->Rennkajak) und eines fürs Grobe mit hohen Wellen (Rennseekajak). Auch ein Surfski sollte eine Überlegung wert sein.

Alle diese Boote kannst Du effektiv nur mit Wingpaddel fahren, der Umstieg sollte aber problemlos nach etwas 200 km erledigt sein. Soviel anders ist die Technik nicht, das Paddel dazu nicht parallel am Boot, sonder etwas nach außen führen (Videos anschauen)

Marathonboote in dem Sinne gibt es nicht, im Rennsport zB. bezieht sich das nur auf die Materialklasse, die dürfen dann leichter sein Mindestgewicht 8 kg, normale Rennboote müssen mindestens 12 kg wiegen, eventuell ist noch eine Lenzpumpe, ein Tragegriff für Portagen, Klappsteuer bei Flussmarathons und ein bequemerer Sitz verbaut.

Wichtig ist sich an die geringe Anfangsstabilität dieser Boote zu gewöhnen und die Stabilität über das Paddel zu erreichen.

Grüße Bernd
Re: Fitnesskajak oder Marathonkajak
18. Juni 2015 13:06
Zitat
ak67
Hei hei, schon mal nen Yukon E gefahren oder auch nur gesehen? Das ist ein ziemlich sportliches und schnelles Wanderboot, auch nur 55 cm breit und eigentlich schon was für fortgeschrittene Paddler. Da kann man ziemlich flott drin fahren. Ich hätte gern einen für flotte Seekajaktouren. Leider haben wir im Verein nur olle ungeschottete.

Oh, dann irre ich mich wohl. Ich dachte, das "E" stünde für Expedition (60cm breit, 440cm lang). Tut es aber wohl nicht – im Expedition saß ich schon, im E nicht. Sorry, mein Fehler. ;-)
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