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Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel

geschrieben von Ziegenbart 
Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 12:56
Moin,
als Neuling im Forum stelle ich mich kurz vor: Ich heiße Henning und wohne zurzeit in Elsfleth. Seekajakfahren tue ich schon seit einiger Zeit und lese auch schon lange hier im Forum mit, und bisher hat dies alle meine Fragen immer zufriedenstellend beantworten können.

Neuerdings interessiere ich mich für traditionelle grönländische Paddeltechniken und möchte meine Kenntnisse in diese Richtung etwas erweitern. Zugegeben etwas blauäugig, habe ich mich daran begeben nach einer Bauanleitung von Chuck Holst, die hier auch schon tausendfach verlinkt ist, ein Grönlandpaddel zu schnitzen. Als Holzart habe ich mich für Lärche entschieden, weil ich so beim Schreiner einen absolut perfekt gewachsenen Balken als Rohmaterial bekommen konnte (schöne Maserung, fast keine Äste). Laut Wikipedia wiegt Lärche 590 kg/cm^3 und ist damit zwar etwas schwerer als Fichte, aber dennoch um einiges leichter als andere Hölzer. Fichte in einer Form ohne Äste/Risse zu bekommen, fand ich fast unmöglich. Oder habe ich nur falsch geguckt?

Langer Rede, kurzer Sinn: Das Ding ist ein absoluter Totschläger geworden und wiegt fast 2 kg. Man kann damit super paddeln, aber nach 20 km geht mir dann ob des Gewichtes doch irgendwann die Luft aus.
Nun ist meine Frage: Wie kann man ein solches Paddel leichter bauen? Doch Fichte nehmen? Ich befürchte, damit auch nicht unter 1,5 Kilogramm zu kommen...
... von einem erfahrenen Paddelbaumeister aushöhlen/leichter bauen lassen?

Ich bitte die erfahrenen Holzwürmer hier im Forum ihren Senf dazu zu geben...

Gruß Henning
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 14:33
590kg/cm^3 ist ja auch ganz schön viel...
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 15:52
sry, waren natürlich 590 kg/m^3. Gefühlt beim Paddeln könnte es aber auch hinkommen winking smiley
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 17:04
Fichte wiegt 450 kg/cbm. Der Taschenrechner sagt, dass dein Paddel in Fichte etwa 450/590*2 also ~ 1,5 kg wiegen würde.

kA ob das für ein GL Paddel viel oder wenig ist, es gibt aber auch genug Alupaddel die soviel wiegen, und die haben kein Auftrieb wenn sie in Wasser untergetaucht werden. So gerechnet bringt es also schon viel, das gleiche Paddel nochmal aus Fichte zu schnitzen. Ansonsten gilt: je mehr man wegschnitzt, desto leichter wird das Paddel.

Gruß

Jan
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 17:48
Hallo, mach mal Fotos und sag mal die Maße von dem Paddel.
Grüße
Siegmund
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 17:57
mal was zur dichte: das sind natürlich durchschnittswerte. gerade bei lärche kann man aber extreme ausreisser nach oben erwischen. das ist qualtative dann sehr hochwertiges holz, aber halt für ein paddel suboptimal (wenn auch aussergewöhnlich dauerhaft).
astfreie fichte bekommst du beim holzhändler ohne probleme, ist auch nicht sonderlich teuer. aber nur ganze bretter, zb etwa in dimmensionen wie 5x0,5m x36mm.
was man im baumarkt oä so kaufen kann, ist bauholz, das mit tischlerqualität nix zu tun hat.

Grüße vom Westzipfel, Thomas
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 22:02
Meine 4 Selbstbaupaddel wiegen zwischen 750 g und 1150 g.

Die Holzdichte habe ich leider nur bei einem Paddel aus Western Red Cedar gemessen: 360 kg/m3, daraus wurde ein 858 g schweres Paddel. Die komplette Bau-Historie habe ich aufgezeichnet:

Holzdichte 0,36 g/ccm
Form zugesaegt, vor dem abhobeln 1785 g
flache Seite konisch gehobelt auf beiden Seiten 1225 g
Kanten schraeg abgehobelt 966 g
Feinschliff, fertig vor dem oelen 895 g
fertig nach dem oelen 900 g
Nochmal nachgearbeitet, schaerfere Kanten 858 g

590 kg/m3 wäre mir zuviel für ein Paddel.

Aus einem guten Stück Fichte sollte ein Paddel um die 1000 g machbar sein. Wenn es schwerer ist, einfach weiterhobeln und überall Material wegnehmen bis die 1000 g unterschritten sind. Es bringt viel den Schaft etwas dünner zu machen und die Kanten scharf auslaufen zu lassen. Max Breite der Blätter ca. 9 cm, Länge ca. 215 bis 225 cm

Welche Abmessungen hast du gewählt? Schaftquerschnitt? Länge/Breite? Laufen deine Kanten scharf genug aus oder ist da noch zuviel Material drin?

Es dürfen übrigens kleine Knoten im Holz sein, was man tolerieren kann hängt von der Lage und Faserrichtung ab.

Michael
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 22:31
Hallo Henning,
wahrscheinlich hast Du noch viel zuviel Material stehen lassen. 6-700g sollten sich noch herunterhobeln lassen. Mein Paddel habe ich aus einer Baubohle geschnitzt, massiver als nötig, wiegt etwa 1500g. Allerdings finde ich das Gewicht gut, habe eine Carbonversion getestet, bin aber mit dem Halb so schweren Paddel nicht zurecht gekommen. Beim Fahren merkt man nicht viel von dem Gewicht, das Meiste wird vom Wasser getragen.
Gruß, Skua
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
28. Juli 2010 23:03
Danke erstmal für die Antworten,

das Paddel ist 212 cm lang, die Blätter sind ca. 10 cm, der Schaft ist ca. 3,8 mal 3,2 cm stark. Dadurch, dass ich dickere Schäfte bevorzuge, ist noch ordentlich Material drin. Dieses Verhältnis kommt daher, dass ich verhälnismäßig klein bin, aber große Hände habe. Die Kanten laufen tatsächlich eher runder aus, halt genau wie in der Anleitung. Morgen werde ich mal schöne Bilder vom Paddel machen.
Die zehn Zentimeter breiten Blätter könnten das Problem sein, aber bei Testfahrten hat mich das eigentlich überzeugt, weil ich es gut greifen kann, aber auch ordentlich Vortrieb bekomme. Ich werde weiter über die Problematik nachdenken.
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 00:00
... bist Du sicher, daß Du Lärche hast?

Mein Paddel (Lärche, selbst geerntet) Schaft 3,2x3,5, 221 lang, knapp 11 cm Blätter wiegt 1500g und ist mir eigentlich auch schon zu schwer.
(Das nächste ist schon in der Mache ...)

Gruß tschaj
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 00:12
... es ist definitiv Lärche. Ich hab es mir vom Schreiner aus einer Bohle sägen lassen. Also, bisher habe ich gelernt, dass Lärche wohl eher nicht geeignet ist. Eine Gewichtsreduktion ist mit Fichte möglich, aber dann nur mit viel abschleifen. Ich frage mich nur, warum in der Anleitung dann keine weiteren Richtwerte gegeben werden, wieviel man eigentlich noch runterschleifen sollte. Bleibt das besondere Profil den dann eigentlich erhalten? Ich werde morgen Fotos zur Diskussion stellen, und ich hoffe, dass man darauf mehr sieht. 1,2 kg wären bei mir aber eigentlich die Obergrenze, mehr möchte ich nicht. Ich habe heute mal bei Peter Schullcke nachgefragt, ob er das Paddel auch in leicht bauen würde, nämlich in Hohlbauweise. Er würde das wohl machen. Ich bin ersthaft am überlegen, ob ich das machen sollte, zumal das jetzige Paddel wohl eher etwas für die Wohnzimmerwand ist. Denn wenn ich noch 600 g abschleife, hab ich immer noch 1,4 kg zu tragen.

Könnte das Gewicht auch mit dem Feuchtigkeitsgehalt des Holzes zusammenhängen? Obwohl ich mir kaum vorstellen kann, dass mir der gute Mann nasses Holz angedreht hat. Oder ich habe tatsächlich ein außergewöhnlich schweres Stück erwischt und habe einfach Pech gehabt.

bis denne

Henning
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 08:26
Hallo Henning,
behalte das Paddel auf jeden Fall - ein stabiles Paddel ist besser, ganz besonders zum rollen.
viele Leute (mich eingeschlossen) bauten ihre ersten Paddel zu leicht.
Ein leichtes Paddel mit geringem Querschnitt ist immer nett zu paddeln, aber kann man sich darauf
verlassen? Eigentlich sollte es so stark sein, daß man sich dranhängen kann, wenn man die Enden auflegt...
Ich habe ein Paddel beim rollen lernen abgebrochen, und das war nicht schön...
Ein schweres Paddel ist in einem schmalen Kajak (>50) manchmal angenehmer als ein Leichtes.

Viele Grüße: Moritz
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 09:01
klar hängt das gewicht auch von der holzfeuchtigkeit ab.
allerdings ist das holz, das du beim schreiner kaufst, üblicherweise ziemlich trocken (künstlich getrocknet), da es zum einsatz im innenbereich vorgesehen ist.
mal ein paar zahlen: holz im wohnbereich hat etwa 6-9% holzfeuchte (immer bezogen auf das theoretisch knochentrockene holz, die sog. darre), holz das draussen geschützt rumliegt, rund 12%. am rund 30%holzfeuchte läuft das wasser wortwörtlich raus, zb beim eindrehen einer schraube.

Grüße vom Westzipfel, Thomas
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 11:17
Hallo Henning,

Du hast beim Hobeln sicher zu viel stehen lassen. Das war auch bei meinem ersten Paddel das Problem.
Und hier ist nicht der Schaft das Problem sondern die Blätter. Versuch mal von den Blättern noch einiges Material
wegzunehmen. Dadurch wird das Paddel sehr viel besser benutzbar.

Gruß
Stefan
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 14:32
Hallo Henning,
schaue bei VIKAMUS unter Fanggeräte. Da haben wir die Maße eines grönländischen Paddels eingebracht. Entsprechend diesen Maßen erhält man ein Gewicht gut unter 1000 gr. ZU dempfehlen ist allerdings ein Länge von 230 oder in diesem Bereich.
Gruß
Wolfgang Half
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
29. Juli 2010 18:48
Ja, wahrscheinlich habt ihr recht, die Blätter sind wirklich noch verhältnismäßig dick. Vlt. sollte ich es, wenn ich Zeit habe, mal mit Fichte und dünneren Blättern versuchen.

@ Wolfgang: Danke für den Tipp, ich werde es mir anschauen.

Mal ne ganz andere dumme Frage: Wie kann ich eigentlich Fotos hochladen. Habe ein paar von dem Paddel gemacht.

Gruß

henning
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
30. Juli 2010 00:42
Moin, Henning !

Um ein Bild zu Deinem Beitrag zu stellen, mußt Du das Bild irgendwo im Net speichern und kannst dann den Link zum Bild mit dem beim schreiben des Beitrags sichtbaren Button hier einflechten. Es ist der 10. Button von links smiling smiley

Direkt im Forum abspeichern der Bilder geht bei normalen Beiträgen nicht.

Dann sieht es beispielsweise so aus:



Gruß
Bernd

P.S. Quelle vom willkürlich gewähltem Bild: [www.fridayharborpaddles.com]
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
30. Juli 2010 10:43
Ich habe da mal ein Frage: bei den hier angegebenen Längen von 2,10 bis 2,20m (eher kurz für ein flach zu führendes Paddel), sieht es so aus, als würde die GriffBreite des Paddlers durch sehr lange "Blätter" extrem reduziert. Man lässt da viel Kraft unnütz liegen!

Ich will ja niemandem den Spass am "traditionell grönländischen Paddeln" mit Lakenkajak und Holzbrett nehmen (das betrachte ich ein kelines Bisschen, wie den Spass am fahren mit historischen Motorrädern oder Autos; ausser, dass man heute keine "alten" Karren neu baut, sondern vorhandenes Blech erhält), aber die Paddel sind mir alle im Griffbereich zu schmal, haben für eine hohe Technik zu lange Blätter und sind für eine flache Technik zu kurz (so auch beim selbst testen empfunden).

Was macht für euch den Spass daran aus?
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
30. Juli 2010 11:39
Ach shovel,
lass Dich doch einfach mal darauf ein. Auf der Seekajakwoche kannst Du unter Anleitung die Technik, die sich doch etwas von der gewohnten mit dem Euroblatt unterscheidet, ausprobieren. Ist viel näher am Wingblatt als man zuerst denkt. Schau Dir vielleicht auch einige Clips im Net an, das könnte hilfreich sein. Aber versuche nicht Deine normale Paddeltechnik am Eskiblatt - das funktioniert nicht wirklich gut. Die Umstellung braucht einige Zeit, aber die Dinger sind nicht nostalgisch, eher futuristisch.
Und - wer sich Shovelhead nennt - könnte es sein, das Du nostalgisches amerikanisches Alteisen auf der Straße bevorzugst?
Grüße, Skua
Re: Ursachenforschung - zu schweres Selbstbaupaddel
30. Juli 2010 11:51
Danke für die Infos.
Schade, dass man nicht direkt Bilder reinstellen kann. Werde mal sehen, wo ich was hochgeladen bekomme.
Zur Griffweite: Die Griffweite wird ja insofern nicht reduziert, da man ja quasi nur mit dem Daumen und dem Zeigefinger den Schaft umfasst und die restlichen Finger auf den Blattwurzeln unterbringt. Und dann ist das ganze schon anderes feeling, als wenn man versucht, die Hände zwischen die Blätter zu quetschen. Ist aber am Anfang aber echt ein bisschen Umgewöhnung. Außerdem muss die Schaftlänge ja auch auf die Schulterbreite abgestimmt sein und wenn du bei einem "schmalem Hemd" das Paddel geliehen hast, kann es gut sein, dass es schlicht nicht passt. Für flache Technik sind die kurzen Paddel gar nicht geeignet.

Henning
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