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Godthab, ein Wort an die Experten

geschrieben von Wolfgang Half 
Frage
05. März 2008 20:52
Hallo Wolfgang,


FF
Re: Frage
05. März 2008 21:45

tja - wenn Wolfgang mit der Uniformierung des seekajaks - ( bei uniformierung krieg ich eigentlich immer Pickel!) meint, hier in etwa gleiche Voraussetungen für den geneigten Paddler herzustellen, dann wäre das m.E. ja völlig daneben: Wenn ich mit ankes kleinem Godthab auf der Ostsee bei 2-3 Bft prima Spass habe, heisst das noch lange nicht, dass ich an der Kachelotplatte bei 5-6 Bft in dem Ding genauso gut klarkomme wie in meinem Hanseat - und selbst in dem hab ich -wie Jochen weiß- mal wieder meine Grenzen kennengelernt.
Also mach ich mir mehr Gedanken über mein Hinzulernen als über d a s Seekajak.


...... und jetzt iss Feierabend und ersma nen Glass guten Roten...

Rudi
Re: Frage
06. März 2008 09:33
moin,

Gerold's und Rudi's Beiträge deuten auf einen generellen Mißstand beim Sk-Sport hin, der mir schon lange auffällt: der völligen Überbewertung dessen, <b> womit</b> dieser Sport betrieben wird, Kajak und Paddel, und der völligen Unterbewertung dessen, <b> wie</b> dieser Sport betrieben wird, nämlich mit Paddeltechnik, Bootsbeherrschung bei schwierigen Bedingungen, allg. Seemannschaft und last but überhaupt not least der physischen Ausstattung des Paddlers, also Kraft- und Ausdauervermögen. Dieses Mißverhältnis bildet sich in Art und Anzahl der Beiträge in diesem Forum deutlich ab.

Ansonsten unterscheidet sich Auswahl und Kauf eines Seekajaks prinzipiell in nichts vom Auswahl und Kauf eines Autos, Fernsehers oder Rasenmähers. Der Markt bietet eine grosse Fülle an Booten für verschiedenste individuelle Anforderungen, dass dabei die Boote bzgl. Herstellung, Form und Ausstattung immer konformer werden, trägt einfach dem Wandel unseres Sports von einem Nischensport zu einem Breiten- oder Massensport Rechnung. Man kann das bedauern oder auch nicht...

Gruss Axel
eine späte Antwort
06. März 2008 10:57
Exilfriese schrieb:
-------------------------------------------------------
> womit dieser Sport betrieben wird, Kajak und Paddel, und der völligen
> Unterbewertung dessen, wie dieser Sport betrieben wird, nämlich
> mit Paddeltechnik, Bootsbeherrschung bei schwierigen Bedingungen, allg.
> Seemannschaft und last but überhaupt not least der physischen
> Ausstattung des Paddlers,


Alles wichtig, alles mitunter zuwenig im Mittelpunkt. Eine Sache fehlt aber noch, wobei man die viiieeelleicht unter Seemannschaft mit fassen könnnnnte (?), die psychischen Aspekte des Seekajakfahrens.

Der Begriff Seemannschaft wird ja bereits von den Seglern gerne und oft nicht oder falsch verstanden/interpretiert, bei den Kanuten ist noch weitaus weniger bekannt, geschweige denn ein Begriff. So hat ja hier in diesem Forum, einst auch der Ref. für genussvolles Küstenkanuschlendern, Hr. Prof. Dr. U.Beier sich über den Begriff und auch über die die in anwendeten lustig gemacht und deutlich gezeigt, dass er nicht begriffen hatte, was es damit auf sich hat.
Die Misstände gehen also z.T. sehr tief Axel, da hast du absolut den Punkt getroffen.

Was die gesamte Technik angeht, Physis, ja, nur ist situativ optimale Bootsbeherrschung nicht nur eine Frage der physischen Technik, als auch der mentalen Stärke diese mit ausreichend kühlem, schnell handelndem und dennoch auch überlegtem Kopf, anwenden zu können.

Der Faktor Glück spielt natürlich auch eine Rolle, wenn man z.B. mit einer Welle konfrontiert wird, der ein jeder aus dem Weg gehen würde, die aber mit einem Mal, ungeplant!, vor einem auftaucht und geeignet ist, Kleinholz aus jedem Boot und darin befindlichem Paddler zu machen.
So ist es Freya bei einem Start in Neuseeland passiert. Ich weiß nicht wie sie das verkaufen wird, oder bereits vermarktet (ich lese die Dame nicht). Ich habe aber den entsprechenden Augenzeugenbericht gelesen, der am Tag drauf über eine Mailingsliste publiziert wurde. Das Ehepaar wo sie ein paar Tage geblieben ist, nix Zelt!, und die ihr dann beim Brandungsstart halfen. Als alle dachten jetzt kämen erstmal nur die kleinen, kam die größte an jenem Vormittag beobachtete Welle und alle sahen mit Bestürzung das sehr rasche Ende kommen. Doch es kam halt anders und nachher meldete sie sich per Telefon und erzählte das sie auch nicht wußte, wie sie da rausgekommen war und das ihre Beine noch eine Stunde lang vom Adrenalin .. wie sagt man? gelähmt? also sie hat das Adrenalin noch eine Stunde lang gefühlt. - Ein Zustand den ich als Todesangst kennengelernt habe, da wo einem der Gedanke durch den Kopf schiesst "und das wars jetzt".

Sowas hat dann nichts mehr mit Können zu tun, sondern Glück UND dem nötigen Quentchen intuitiv richtigem Handeln, also doch wieder mentaler Stärke. Den Glück allein ist zu unsicher, wenngleich nötig. (Was auch immer Glück genau sein mag...)


Wenn ich über die Zeit mal von dem einen oder anderem Erlebnis, oder einer Erfahrung hier gesprochen habe, ist mir Spott und sonstwas entgegengeschlagen und auch später bekommt man zu spüren, dass die Leute einen für einen Spinner und sonstwas halten. - Ich hätte zu jedem "Fall" genug Belege für die erlebte Wahrheit liefern können, einschließlich meiner sehr konkreten Kaltwassererfahrung, die mir gewisse Auricher nie geglaubt haben und für die ich verspottet wurde. Hätte ich mir damals eine Abschrift vom Polizeiprotokoll besorgt, könnte ich noch *erstes Atzende gestrichen, weil zu emotional* *neues, besseres Satzende* .. die Auricher noch heute bloßstellen.

Es jährt sich in Kürze zum 15ten Mal, dass ich einer jungen Frau in nicht nur sprichwörtlich letzter Sekunde, den Rest Leben gerettet habe, als sie besinnungslos und nach vermutlich kältebedingten lösen ihrer Hand von der senkrechten Leiter im arschkaltem Wasser versank und ich durch tiefes hineingreifen sie noch erwischt habe. Für die Bergung ging ich anschließend ins Wasser und schwamm da meine 50m in voller Montur, bei bereits zuvor erfolgter reichlicher körperlicher Erschöpfung und mit Wurfsack in der Hand. Ich wäre beinah nicht mehr angekommen... Es war das Wunder zu Ostern. Und es läßt mich bis auf den heutigen Tag nicht los.
Was ich damals erlebt habe, den Weg dorthin, bevor sich diese Katastrophe anbahnte, dafür habe ich erst 2006 so eine Art Erklärung gefunden, in einem sehr berühmten Buch von Hermann Hesse, der etwas absolut vergleichbares, um nicht zu sagen authentisches schildert. Seitdem bin ich endgültig ein anderer geworden. Und noch einsamer.
Hermann Hesse´s heilt einen nicht, aber er hilft sich (besser) verstehen zu lernen und mit Dingen abschließen zu können. Um sich neuen Dingen zuzuwenden, sofern welche da sind (die es wert sind).


Ja, es gibt Misstände. Die liegen auch im Umgang der Gesellen hier und in einem nicht unwesentlichen Großteil der Seekajak-"Szene" mitunter und untereinander. Dem nicht miteinander ehrlichem Umgehen.
Wobei auch ich dabei meine Fehler begangen habe, die ich zum Glück nie geleugnet habe. Doch habe ich nie Leute angelogen, nie anderen Beinchen gestellt und ich habe keine Bauernopfer gebracht, wie Urs Steiner und ein wenig auch Rüdiger Schäfer. Es waren andere Fehler. Fehler für die ich aber umso mehr angreifbar bin und angegriffen wurde und werde und von einigen Leuten sogar geschnitten...

Misstände - ja.
Über denen mir schon lange, vielleicht zu lange, die Lust am Paddeln vergangen ist. Nicht aber die Lust am Erleben. Es wird aber immer schwerer, das eine mit dem anderen in Einklang zu bringen.
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 12:38
Hallo Axel,

bei der (Über-) Bewertung des "Materials" hast Du sicher Recht.
Indes sehe ich kein Missverhältnis zwischen "womit" und "wie".
Paddler sind doch (fast) ausnahmslos Amateure. Der sog. "Freizeitpaddler" ist für mich kein schlechterer "Sk-Sportler" (ich mag das Wort nicht) als derjenige, der eigene Höchstleistungen zu erbringen versucht und perfekte Bootsbeherrschung anstrebt. Auch das "wie" hat also eine Bandbreite und was für alle gleichermaßen zählt, ist der Spaß am Kajakfahren.
Ich kann auch nicht feststellen, dass Kajaks immer ähnlicher werden, ganz im Gegenteil.

Gruß
Christian
Anonymer Teilnehmer
Re: Godthab, ein Wort an die Experten
06. März 2008 13:35
na jetzt wirds ja richtig interessant. Issn neuen thread wert: wer ist der beste SK-Sportler [m/w]? Duracellen, Raser, Überlebenskünstler, Spaßvögel ... weitermachen!!!

Naja, die beiden Fragen (ideales Kajak, idealer Sportler) haben viel miteinander zu tun. Das ideale Kajak ergibt sich doch aus dem individuellen Wollen und Können. Selbst im Seekajakbereich gibt es hier eine ziemliche Bandbreite der Bedürfnisse. Und eigentlich gibt es auch für fast alle was passendes, oder? Ich kann nicht sehen, dass da eine Uniformierung im Gange ist. Und schon gar nicht würde diese Uniformierung mit der Popularität des Sports zunehmen, denn mit steigenden Stückzahlen kann man doch eher auch mal ein Sondermodell für spezielle Wünsche profitable anbieten.

Was mir in der Tat auch fehlt, sind aussagefähige Tests, die von Messungen begleitet werden. Beispiel Schnelligkeit: in jedem Prospekt ist jedes Boot 'schnell', und die tatsächlich schnelleren sind dann 'sehr schnell' oder 'am schnellsten'. Mit der Stabilität oder Wendigkeit das gleiche. Aber niemand liefert dafür vergleichbare Indikatoren. Gern wird auf die Kosten solcher Test (z.B. im Strömungskanal) verwiesen. Dass das aber ein Argument sein soll, kann auch wieder nur heißen, dass die Serienzahlen zu klein sind, weil es viele Hersteller gibt. Kein Zeichen für Uniformität. Darüber hinaus ist echte Transparenz hinsichtlich messbarer Eigenschaften von Seiten der Hersteller vielleicht auch garnicht so sehr gewünscht ...

Arnim
Re: Godthab, ein Wort an die Experten
06. März 2008 13:59
AK67 schrieb:
-------------------------------------------------------
> na jetzt wirds ja richtig interessant. Issn neuen
> thread wert: wer ist der beste SK-Sportler ?
> Duracellen, Raser, Überlebenskünstler, Spaßvögel
> ... weitermachen!!!

Und nicht zu vergessen jene die ablenken und sich über andere lustig machen.

PS: Womit ich auch mich selber meine, ich lenke auch schonmal ab.
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 14:28
"Paddler sind doch (fast) ausnahmslos Amateure. Der sog. "Freizeitpaddler" ist für mich kein schlechterer "Sk-Sportler" (ich mag das Wort nicht) als derjenige, der eigene Höchstleistungen zu erbringen versucht und perfekte Bootsbeherrschung anstrebt. Auch das "wie" hat also eine Bandbreite und was für alle gleichermaßen zählt, ist der Spaß am Kajakfahren."

Christian, das trifft die Sache nicht. Sicherlich gibt es den Kajaker, der einfach nur mit dem Boot auf dem Wasser sein will. Und am anderen Ende der Leiter den Profi, der Kajaken als Leistungssport betreibt.

Aber das Gros der Leute hier siedelt irgendwo in der Mitte und bekundet zudem ein starkes Interesse daran, einerseits bei tougheren Bedingungen nicht an land bleiben zu müssen, bzw. wenn sie draussen von solchen Bedingungen überrrascht werden, diese meistern zu können, und andererseits in der lage zu sein, größere Distanzen zügiger oder mit weniger Anstrengung bewältigen zu können - das lese ich zumindest aus vielen Beiträgen hier raus. Und wie wird diesem Interesse hier nun Genüge getan? Ak67 hat gerade die Antwort gegeben: wir brauchen mehr Bootstests, genauere Bootstests. Fertig machen zur 1536sten Bootsbesprechung!!!

<b>DAS</b> hier fehlt:

z. B. Paddeltechnik:

Stell dir vor, es laufen nacheinander eine Welle von 80 cm Höhe, 1,3 m und 2,10 m auf dich zu, jeweils von schräg vorne, direkt seitlich und von schräg hinten.
Wie stützt du nun jeweils? Flach auf dem Kamm? In die Welle hinein, in welchem Winkel? Wie ist die Drehung des Paddelblatts jeweils, wo und wie hälst du den Schaft, wann stützt du aktiv, wann nur passiv? Hüfte: wie stark kantest du an, wann und wie drehst du in die Welle/aus der Welle heraus, wann hälst du den Oberkörper gerade, nach vorne/hinten gebeugt?

z. B Physis:

Wie tief kannst du stützen, ohne zu kentern: wie verbessert man diesen Wert durch Training der Beweglichkeit und Muskulatur der Hüfte? Wie siehst ein Krafttraining aus, muss ich nur Rücken u. Schultermuskulatur trainieren, oder auch den Rest? Etwa auch die Beine? Wie, womit und wie intensiv muss ich trainieren, um einen signifikanten Kraftzuwachs beim Paddeln zu erreichen? Was ist eigentlich Ausdauer? Reicht es, wenn ich einmal in der Woche jogge? Gibt es vielleicht ein Training, das ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Paddlern eingeht, oder wäre das gerade falsch?

usw. usf.

Gruss Axel





Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 14:48
*gelöscht* ich halte mich mal raus
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 14:55
Hallo Axel,

wir haben wohl einander falsch verstanden bzw. aneinander vorbei geschrieben.
Wenn sich das Missverhältnis auf die Zahlen der Beiträge hier zu den Themen Boot und Equipment einer- und Paddeltechnik etc. andererseits bezieht, dann bin ich ganz Deiner Meinung.
Ich hatte Deine Aussage weiter oben so verstanden, dass Du ein Missverhältnis zwischen den Ansprüchen der Kanuten an das Materiasl und ihrem Können meintest.

Gruß
Christian
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 15:02
ebenso gelöscht...
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 15:22
Christian, beides hängt miteinander zusammen, oder?

Wobei ich das Mißverhältnis zwischen Können und Material auf die Illusion beziehe, man könne einen Mangel an Ersterem durch Letzteres ausgleichen...
Das klappt aber nicht...

Gruss Axel
Anonymer Teilnehmer
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 15:42
Exilfriese schrieb:
-------------------------------------------------------
> Christian, beides hängt miteinander zusammen,
> oder?
>
> Wobei ich das Mißverhältnis zwischen Können und
> Material auf die Illusion beziehe, man könne einen
> Mangel an Ersterem durch Letzteres ausgleichen...
> Das klappt aber nicht...
>
> Gruss Axel

Axel, das klappt vielleicht in den von dir oben geschilderten Horrorsituation nicht mehr, aber ansonsten machen wir das doch alle jeden Tag. Also Mängel im Können durch gutmütigeres Material ausgleichen, vor allem damit wir nicht dauernd kentern oder auch mal ins Wurstbrot beißen können.

Was mich bei den meisten europäischen Herstellern aber ärgert, ist, dass sie uns die entsprechenden Infos zu ihren Produkten weitgehend vorenthalten. Und einen auch nicht wissen lassen, was einen die Vorteile in einer Charakteristik woanders kosten. Aaber: There's no such thing as a free lunch. Und so liest man beim einen Benutzer, der Godthab bekäme keinen Elefantenhintern, der andere behauptet das Gegenteil. Ein wichtiger Punkt, der Elefantenhintern, aber das kann man ohne Messungen der Bootseigenschaften nicht feststellen. Gut, nehmen wir mal an, der Godthab bekäme schon bei 5kn einen Elefantenhintern. Bekomme ich dafür vielleicht aber mehr Stabilität ... oder was anderes? Nun ist der Godthab doch ein Boot, das sich so gut verkauft, dass es sich doch mal lohnen sollte, diese Fragen etwas objektiver zu beantworten, jenseits ziemlich subjektiver 'Fahrtberichte'. Leider Fehlanzeige. Genauso reden wir uns hier den Mund fusselig über Materialfestigkeit. Warum gibts keine Bootstests mit Crashtest?

Meine These ist: wenn sich solche Tests etablieren würden, dann würde auch zutage treten, dass viele Hersteller Boote anbieten, die selbst in der Summe ihrer Eigenschaften u.U. weit weniger gut konstruiert sind als andere. Diese Hersteller würden entweder nachvollziehbar bessere Produkte anbieten oder den Markt verlassen. Den verbleibenden bliebe dann die Chance, mit größeren Stückzahlen bessere Kundeninfo gleich mitzuliefern. Was wir heute hingegen haben, nennen Ökonomen 'Schlafmützenwettbewerb', weil die Masse der Hersteller sich aufgrund der Unübersichtlichkeit der Eigenschaften und damit Preis-Leistungsverhältnisse nicht so viel Mühe machen muss. Wir Kanuten haben davon zwar viel Auswahl, aber auch viel Unsicherheit, die sich im Forum ausdrückt.




Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 17:42
Arnim, später mehr dazu, muss weg, ausserdem tropfen mir dauernd die Mitleidstränen auf die Tastatur...
Re: Frage ... und noch eine Antwort
06. März 2008 22:06
Exilfriese schrieb:
--
> DAS hier fehlt:
>
> z. B. Paddeltechnik:
>
> Stell dir vor, es laufen nacheinander eine Welle
> von 80 cm Höhe, 1,3 m und 2,10 m auf dich zu,
> jeweils von schräg vorne, direkt seitlich und von
> schräg hinten.
> Wie stützt du nun jeweils? Flach auf dem Kamm? In
> die Welle hinein, in welchem Winkel? Wie ist die
> Drehung des Paddelblatts jeweils, wo und wie hälst
> du den Schaft, wann stützt du aktiv, wann nur
> passiv? Hüfte: wie stark kantest du an, wann und
> wie drehst du in die Welle/aus der Welle heraus,
> wann hälst du den Oberkörper gerade, nach
> vorne/hinten gebeugt?
>
> Hallo Arnim,

ich denke, was Axel hier beschrieben hat, ist für jemanden, der häufiger an der Nordseeküste anzutreffen ist als auf dem Rhein wohl nicht unbedingt ein Horrorscenario. Solche Bedingungen findest Du durchaus bei einem 4er Bft (in Boen gern auch drüber) aus NW, wenn Du seeseitig die ostfriesichen Inseln abklapperst.

Das ist was anderes, als die kleinen Ostseewellen, die wir letztes Jahr beim Hiddenseemarathon hatten -wobei ich jetzt ganz und gar nicht diese (Tor)Tour kleinreden will. (da sind die 70 km am Stück ohne Tidenunterstützung schon der Hammer, keine Frage). Strecke machen bei zwar nicht leichten aber auch nicht übermässig schweren Bedingungen ist nur eben was ganz anderes als 5 Std in und zwischen den Brandungsgürteln rumzuturnen.

Und das lernt man eben nicht schneller, wenn man ein schnelles Boot hat.

Mein Senf - und heute nur Mineralwasser

Bis Samstag bei Lettmann

Rudi

Anonymer Teilnehmer
Re: Godthab, ein Wort an die Experten
06. März 2008 22:46
Bitte versteht mich nicht falsch. Natürlich finde ich es oberwichtig, dass man lernt, sich in gefährlicheren Situationen zu bewegen. Aber genau dabei brauche ich vor allem als lernender erstmal ein stabiles Boot, kein schnelles. Gerade jemand, der vielleicht nicht so erfahren, begabt oder mit Zeit zum Üben gesegnet ist, braucht ein anderes Kajak braucht als jemand, der in der Brandung großgeworden ist. Im Lauf der Zeit probiert man sich so an das Boot ran, mit dem man alt werden will. Die Sucherei wäre aber m.E. leichter, wenn es ein paar Standards bei der Produktbeschreibung gäbe. Und es würde für einen effektiveren Wettbewerb unter den Anbietern führen. Keine Ahnung, was an diesem Wunsch so schlimm sein soll. Ihr würdet doch auch kein Auto kaufen, von dem man nur vom Hörensagen weiss, was es schluckt, welchen Bremsweg es hat, wie es beim Crash knautscht, wann es durchgerostet ist, oder wie es schnell es ist. Und da Paddeln auf See Gefahren birgt, ist das da gerade wichtig.

Allerdings kann man hier nicht auf die Hersteller hoffen. Solche Initiativen gehen eher von Kundenseite bzw. Verbraucherorganisationen aus. Wenn man also Kanuten mit nem EPP ausstatten will, könnte man so ne technische Beschreibung doch auch für Boote vorschlagen. Die Hersteller könnten das ja freiwillig mitmachen. Nur dass die, die nicht mitmachten, dann auf ihren Produkten eher sitzenbleiben würden.

Re: Godthab, ein Wort an die Experten
06. März 2008 23:48
Mensch Arnim, wie willst du denn den Faktor "Nase", die bekanntlich bei jedem anders ist und schaut und riecht und gegebenenfalls auch mal im Weg ist, einen Produktbeschreibungsstandard überhaupt erarbeiten???

Ich muss spontan an den Neumann´schen Spruch von auf ner BOOT denken "Das Boot ist für leichte Küstengewässer." Auf meine spätere Nachfrage was er denn unter "Leichten Küstengewässern" verstehen würde, kam nur noch lauwarme Luft.

Du siehst ja selber ein, dass da jeder nen anderen Anspruch hat. Nur kann man den eben dann auch nicht kategorisieren. Weil jeder anders lernt, anders alt ist, andere Beweglichkeit, andere Proportionen, andere Vorgeschichte, andere sportliche Prägungen, andere Afinität zu Wasser, andere Lehrer, andere Gewässer hat.
Und wo für den einen Anfänger die klassische "Basewanne" ein prima Anfang ist, wo er mit einem leicht forderndem Boot schon masslos überfordert wäre, ist für einen ganz anderen Anfänger die Badewanne das klassische Lernverhinderungsboot.

Anfänger machen verschieden schnelle und prinzipielle Schritte.

Als ich das erste Mal im Kajak saß war ich 12 und es war der klassische Brewi W17(?). Die drehen sich prima bei jedem Schlag einmal im Kreis, sind aber soweit nicht kippelig. Derart gefordert habe ich noch am selben Nachmittag gelernt wie man mit der richtigen Dosis "Schlag" das Boot 100m geradeaus halten kann, ehe es doch mal wieder ausbricht und man die Pirouette dreht.
Hätte ich in einer gesteuerten Badewanne gesessen, dieser Lerneffekt wäre mir versagt geblieben.
Mit gesteuerten Badewannen kann jeder Depp geradeaus fahren. Nur lernt man dabei halt nichts. Okay, es kann Sinn machen mit sowas anzufangen, z.B. bei Angst vor Wasser, sehr unsicheren oder sehr korpulenten Menschen, usw. ..

Ich fuhr die nächsten Jahre meist die Klepper Tramps und maaal nen Lettmann Olymp Super TS. Es steigerte sich nur langsam, Wildwasserboote, aber immer schön breit.
In der Schule saß ich das erste Mal in einem Slalomboot, das war heftig!

Mein erster Seekajak war aus PE udn 60cm breit, mit Steuer. Hab schnell gemerkt das (mir) da so einiges fehlt, aber war prima sicher für die ersten Fahrten, wo man noch auf andere Dinge achtete.
Das Jahr drauf kam der TM Umiak und mit dem Boot habe ich das Paddeln komplett neu gelernt.

Hätte ich von Anfang sowohl Wildwasser-, also drehfreudige Boote gehabt UND z.B. Rennboote, meine Entwicklung wäre eine ganz andere gewesen, ich hätte eher mehr gelernt.
So lernte ich erst viele Jahre später wie und was Paddeln wirklich ist.
Abgerundet wurde das Ganze dann durch 5 Jahre Kanupolo, was man da nicht lernt, lernt man nie mehr. Sag ich jetzt mal so.



Zurück zur Hilfe für Anfänger.
Es gibt keine, außer das ein Anfänger einen vernünftigen Lehrer mit Weitsicht und Einfühlungsvermögen und Ahnung brauch, oder ein entsprechendes "Programm"/Begleitliteratur, wenn entsprechendes Selbstbewußtsein und eigene sportliche Fähigkeiten vorhanden sind. Und der Rest besteht aus ausprobieren, ausprobieren, üben, üben, üben.
In sich hineinhorchen und Gefühl entwickeln, Gehör und Gespür für das was da passiert oder eben nicht und wieso.
Re: Godthab, ein Wort an die Experten
07. März 2008 00:14

.... und was ist mit Dill ?

öhem winking smiley ich kriech unter die Decke, nacht!
Re: Godthab, ein Wort an die Experten
07. März 2008 11:02
Arnim, Jochen hat das meiste schon gesagt, ich möchte deshalb nur noch mal auf deine Forderung nach: "Standards bei der Produktbeschreibung" und "technische Beschreibung" eingehen.

Das sind 2 ganz verschiedene Dinge.

Nehmen wir mal den Standard: Kippstabilität. Anfangsstabilität: gut, Endstabilität: hoch, könnte da z.B. stehen. Sagt das was aus? Nein. Derjenige, der das geschrieben hat, kennt sicher eine ganze Bandbreite von Booten, für ihn, in Bezug auf wirklich kippelige Boote ist die A-Stab. gut. Für den Anfänger aber nicht, der zappelt wild herum. Und jetzt geht es erst richtig los: Über welchen Winkelbereich erstreckt sich die A-Stab? Hindert sie dich daran, schnell in die End-Stab zu gehen? über welchen Bereich geht diese, baut sie sich langsam linear auf, oder plötzlich und sprunghaft, wie sieht der finale Druckpunkt aus, kann ich den sauber ansteuern, halten, dosieren, oder reisst die E-Stab ohne Warnung plötzlich ab? usw...
Allein für diesen einen Standard müsstest du min. 1 Din-A4 -Seite mit Infos vollpacken, wenns reicht...

Technische Beschreibung: guck dir mal die folgende <b>vorbildliche</b> tech.
Beschreibung eines Bootes von OneOceanKayaks an (das ich die Ehre hatte zu besitzen ;-)), für die TechSpecs musst du etwas runterscrollen:

[www.oneoceankayaks.com]

Aufgrund der Risszeichnung und der TechSpecs, könntest du da die Eigenschaften des Bootes unter versch. Bedingungen lückenlos beschreiben? Es ist gar nicht sooo schwer, aber man muss sich schon ordentlich in die Materie einarbeiten können und vor allem wollen...

Die 2 Beispiele sollen nur zeigen, das man letztendlich nicht umhinkommt, alles in der Praxis auszuprobieren, viele Boote unter unterschiedlichen Bedingungen zu fahren, ja, und durchaus auch die Hersteller um genauere techn. Informationen anzugehen, und ja, das alles auch hier im Forum diskutieren darf, nur, nicht vergessen: Kajaks sind Mittel zum Zweck, nicht der Zweck selber...

Gruss Axel

P.S. Wenn man in o.a. TechSpecs mal links die Parameter selber anklickt (BWL, LCF etc.) erhält man eine -wie ich finde - sehr gute und interessante Beschreibung derselben...
Anonymer Teilnehmer
Re: Frage
07. März 2008 14:34
Friesenfrosch schrieb:
-------------------------------------------------------
Wenn ich hier im Forum lese habe
> ich manchmal den Eindruck, das es furchtbar
> kompliziert und schwierig ist, in diesen Sport
> einzusteigen. Das gilt aber doch eher für die
> Ausübung im Extrembereich, die es so in jeder
> Sportart gibt, oder?
>

Friesenfrosch, Du wirst mein Prinz! Hab ich grad erst gelesen, aber spricht mir aus dem Herzen.

Exilfriese, diese Maße auf der Website sind Abmessungen der Boote. Aus denen kann man (dat weisse ja selber) mit geeigneten Rechenverfahren Fahreigenschaften ableiten. Ich meine aber nicht nur, mit dem Zollstock am Boot zu messen und daraus was theoretisches auszurechnen, was dann in der Praxis oft nicht so richtig stimmt, weil man doch nicht alle relevanten Parameter erfasst kriegt. Sondern das Boot im Wasser unter normierten Bedingungen (Strömungskanal o.dgl., gibt's doch sogar mit Wellen) auf seine Fahreigenschaften zu testen: Widerstand und Kippfestigkeit, Spurtreue, was weiss ich. Wenn man es will, kann man da sicher ein paar Indikatoren rausarbeiten, die bei der Beurteilung eines Bootes weiterhelfen. Klar reicht das auch nicht, muss immer noch durch erfahrene Fahrer konkret im Meer oder Fluss getestet werden, und schließlich durch den Kaufinteressenten selbst.

Noch schöner: Crashtests für's Material! Jochen, Du hättst doch bestimmt Spässken dran, Deine 'Lieblingsmarke' mal irgendwo gegen zu fahren. Ich würde Dich sofort zum Testleiter erklären, bleiben Dir doch nach meinem bisherigen Eindruck keinerlei Unvollkommenheiten verborgen, von Deiner großen Sachkenntnis gar nicht zu reden. Mein' ich ganz positiv ;-))

Aus solchen Tests könnte man ein paar Vergleichsparameter für jedes Boot gewinnen, die objektiver wären als Augenschein und Werbelyrik. Was der einzelne Kaufinteressent damit anfangen kann, ist seine Sache. Wer nicht weiß, was ein Drehmoment ist, der überliest das in einer Autobroschüre eben, und guckt nur auf die PS oder die max km/h. Aber das kann man den Leuten selbst überlassen.

Kuhnibert
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