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EPIRB

geschrieben von Anonymer Teilnehmer 
Anonymer Teilnehmer
EPIRB
17. Februar 2005 23:40
Hallo zusammen,
gibt es hier Leute die Erfahrung mit EPIRB - Geräten haben ?
Die letzten Jahre habe ich mehrere lange Solo-Touren in (Nord-)Norwegen und Australien gemacht ohne so etwas mitzunehmen.
Welche Teile sind empfehlenswert, wie ist das mit der Registrierung und funktioniert ein in Deutschland gekauftes Gerät automatisch überall? Meine nächste Tour mache ich ab Juni in Nord-Australien.(In Queensland ist übrigens jeder Segler verpflichtet so ein Teil an Bord zu führen,Kayaker aber nicht.)
Danke im voraus
Steffen
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
18. Februar 2005 01:46
Hab seit ca. 8 Jahren ein Australisches Modell, QME MT310, und häufig im Ausland dabei (jetzt in Australien allerdings vergessen - war aber auch nur ne Tour im Outback, und der Verleiher vom Bushcamper sollte so ein Ding eigentlich mitvermieten, war aber nicht im Wagen und er hatte auch keinen da...)

Also, Grundsätzlich:
121/243 MHZ - das sind die Frequenzbereiche des PLB's, das ich habe, diese Frequenzen sind nicht mehr lang durch Satelliten abgedeckt, also kannst Du die Dinger für die Zukunft vergessen, ab 2009 wird das System abgeschaltet - einige Infos zu dem Thema findet man unter
[www.sarsat.noaa.gov]
den Betreibern der Sateliten, die diese PLB's abfragen.
(siehe auch [www.sarsat.noaa.gov])
Die 2. wichtige Seite zu dem Thema ist die Seite der US Coast Guard:
[www.navcen.uscg.gov]

Nun aber ein praktischer Tip:
in der neuesten Ausgabe des Seakayaker Magazins [www.seakayakermag.com] February 2005 auf Seite 70 ist ein Produkthinweis auf das Terrafix 406 PLB für 460 US$ von der Firma ACR Electronix, INC [www.acrelectronics.com] & [www.acrterrafix.com] Es hat auf Wunsch ein intenes GPS! Als besonders Wassergeeignet auch als Modell Aquafix, Homepage [www.acraquafix.com]
Diese Klasse (häufig auch als COSPAS/SARSAT Klasse bekannt) ist z.Z. wohl preislich am ehesten interessant. Sie arbeitet mit 406 MHz und Kennung, so daß ein Notrufender entsprechend identifiziert werden kann. Mit GPS als Option ist auch die Positionsübermittlung möglich - so kann entweder ein externes GPS Daten einfüttern oder ein internes automatisch mitkoppeln.

Neben ACR hat auch QME solche Systeme verfügbar, allerdings nur für Segelboote geeignet, nicht als PLB, da zu klobig.
Bis vor kurzem wurde ein weiteres System als das beste angepriesen:
Inmarsat E+:
Die INMARSAT-E - Geräte arbeitet im L-Band (1,6 GHz) mit den geostationären Satelliten des INMARSAT-Satelliten-Communikations-Systems - siehe z.B. [www.navtec.de]
Sie sollen eine noch wesentlich bessere Alarmierungszeit bieten und genauer sein.
Fakt ist aber, dass einige Teile der Welt nicht abgedeckt werden können, da geostationäre Satelliten z.B. die Polkappen aber sogar schon Teile Alaskas, Grönlands, Sibirien, Antarktis nicht abdecken, auch ist die Südhalbkugel schlechter bedient.
Und: anscheinend will INMARSAT schon nächstes Jahr den Dienst einstellen, da zuwenig Geräte für dies System verkauft wurden.
(Anbieter hier Fastnet und Navtec, siehe z.B. Busse [www.busse-yachtshop.de] & [www.busse-yachtshop.de]

Oder Google mal rum, du wirst erschlagen von Info's.

Aber was bedeutet es schon, so ein Ding zu haben?
Solange Du nicht in Not gerätst, kannst Du auch nicht über Erfahrungen sprechen ...

Ich kenne vom Hörensagen 3 bzw. 4 Fälle (immerhin jeweils vom Notrufenden mir selbst erzählt). Einmal ein Paddler in Spitzbergen, der nach Kenterung alarmieren mußte und nach einer bis zwei Stunden den Hubschrauber vom Sysselmann sah und geborgen wurde.
Eine Bergsteigergruppe in Ostgrönland im Gebirge zwischen Scoresby Sund und Ammassaliq unter schwedischer Führung, Alarmierung wegen schweren unvorhergesehenen Herzproblemen eines Bergsteigers, nach ca. 1/2 Tag landete Twinnotter mit Ski-Fahrwerk (extra angebaut) auf dem Inlandeis und barg den Kranken.
Eine Paddlergruppe in Nordwestgrönland verlor Boot und Zelt in einem Pittaraq und mußte Notalarm absetzen, innerhalb eines Tages tauchte ein Marineboot auf und barg sie ab. Alle Male wurde - glaub ich - 121/243 MHz-Equipment (ACR Mini B bzw. das andere etwas größere ACR-Gerät) eingesetzt, soweit ich mitbekommen habe)
Den vierten Fall kann eventuell der Betroffene hier im Web selbst erzählen, er liest sicher mit. Sind hier sicher alles Extrem-Gegenden, aber in all den Fällen hat es funktioniert, Hilfe auf diese Art zu holen.

Ich kann nur empfehlen, solch ein Gerät als PLB zu kaufen, also in einer Größe, die am Mann mitgeführt wird. Alles andere ist Quatsch. Wenn man so ein Ding hat, dann muß es vor allem in der Wildnis am Mann getragen werden und nicht irgendwo im Gepäck unter Deck verstaut sein. Deswegen sind die neuen ACR-Geräte auch für uns recht interessant. Die Kleinheit macht es.

Wolfgang
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
18. Februar 2005 10:19
Hallo Steffen,

auf [www.equipped.org] sind sehr viele Details zu EPIRBs, PLB & Co abrufbar. In den letzten Monaten wurden dort auch eine unabhängige Bewertung der aktuellen Modelle durchgeführt.

Schöne Grüße
Christoph
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
18. Februar 2005 21:58
>Ich kann nur empfehlen, solch ein Gerät als PLB zu kaufen, also in einer Größe, die am Mann mitgeführt wird. Alles andere ist Quatsch. Wenn man so ein Ding hat, dann muß es vor allem in der Wildnis am Mann getragen werden und nicht irgendwo im Gepäck unter Deck verstaut sein. Deswegen sind die neuen ACR-Geräte auch für uns recht interessant. Die Kleinheit macht es.

Eigentlich sollte ich schlafen - aber nach ja..

Ich versteht nicht wo der Zusammenhang zwischen >>>>> PLB <-> Größe die am Mann/frau mitgeführt <<<<< liegen soll???
Wolfgang bringt manchmal da etwas durcheinander :-)
PLB = Personal Location Beacon : Das war über lange Zeit gleichbedeutend mit den Ursprüngen des Cospas-Sarsat-Systems, Sender die uncodiert auf 121,5 bzw. evtl. auch (halblegal weil militärische Notfrequenz) 123Mhz sendeten.
Seit einiger Zeit gibt es aber nun auch die 406 Mhz und ALLE Geräte die auf dieser weitaus besseren und unbdeingt zu empfehlenden Frequenz senden, senden codiert. Und diese Art der Codierung ist es was HEUTE den eigentlichen "Unterschied" zwischen den Begriffen PLB und EPIRB ausmacht. Eine Epirb wird mit einer MMSWI programmiert, das ist eine weltweit einzigartige Nummer (das zu Der Frage des Ortes der Registrierung = es ist wurscht, einmal registiert = immer nachvollziehbar) die auf ein SCHIFF oder BOOT vergeben wird. Während die PLB (bei den 406ern) eine andere Nummer bekommt, die eben nicht mehr auf etwas schiffartiges, sondern auf eine PERSON registriert wird.
Über die div. Probleme um diese PLB-Datenbank und -Registirerung, siehe die vielen dutzendfachen Beiträge hier über die Suchfunktion.
Um nun auf den Punkt zu kommen, es besteht KEIN Zusammenhang zwischen "PLB" und "klein= am Mann tragbar", denn man bekommt allerlei ältere und neuere Geräte die sehr baulich sehr verschieden ausgeführt sind. Da sind überwiegend klobige dicke Dinger, die von vornherein NIE dafür gedacht waren, "am Mann" getragen zu werden, denn sie sind für Schiffe konsturiert worden. das ist z.B. auch bei Inmarsat E so. die dollen Alarmierungszeiten sind ja nett, nur, wer sich mal die erhältlichen Baken angeguckt hat, für den erübirgt sich die Frage nach einer evtl. Anschaffung (also für uns Paddler). Absoluter "Trümmer"-Teile (GROSS)

Die Unterschiede in den baulichen Ausführungen liegen z.T. in den Batteriiegrößen und ihrer Mindestsendedauer, aber auch für die denkbaren Einsatzbedingungen, z.b. rauhestes See und harte Beanspruchung.

Nun gibt es seit wenigen Jahren endlich auch die Entwicklungen für das andere Extrem, nämlich für die "Kleinanwender", die sich keine hydro-dings-Auslösung irgendwo festtackern wollen, die die Teile am liebsten körpernah mitführen wollen. Bislang gab es da halt nur die alten Geräte mit den uncodierten Frequenzen. Nun also auch endlich handliche 406er. Wobei, ein handliches Gerät gibt es schon sehr lange, die Kannad 406SX, allerdings war und sit dieses Gerät so derart kastriert konstruiert worden, daß sie nur klassisches "Aldi-Seerosen" Produkt anzusehen ist. Ich für meinen Teil lasse da die Finger von. (siehe auch sehr alte Beiträge von mir hierzu, hier im Forum)
ACR hatte seit ner kleinen Weile nun schon angenehmere Geräte im Programm, aber immer noch zu groß für "am Körper". McMurdo hat den Fastfind gebracht (siehe SUchfunktion) und ACR hat dies Jahr nun endlich das Pendant zur Marktreife gebracht.
Ich will immer noch einen ausführlicheren Beitrag zu den Geräten ACR Aqua/Terrafix und McMurdo Fastfind schreiben. Aufhänger ist meine persönliche Qual der Wahl. Ich denke, ich werde bei Geräte im 1:1 Vergleich beshreiben, die jeweiligen Vor- und Nachteile aufzeigen und gegeneinander abwägen. Man darf gespannt sein, ich bin es zumindest. Denn bislang habe ich für mich noch keine Entscheidung treffen können, ob Fastfind oder Aquafix und ob Registierung als PLB ode EPRIB. Wobei ich hier bereits eher zur PLB tendiere.

Das alles und vielleicht noch viel mehr, irgendwann demnächst hier in diesem Kino, wenn ich denn endlich dazu komme...

Und nun - schlafen
n´acht
ach ja - die mit beste sammlung aller relevanten daten zu dem themenkomplex mit den frequenzen etc. über den importeur von acr -> [www.notsender.de]
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
19. Februar 2005 20:18
Danke für Eure Antworten und die vielen Links, dass hat mir schon mal weiter geholfen
Allerdings ist da jetzt noch eine andere Frage aufgetaucht. Bei mehreren der Links gibt es Informationen über Fehlalarme die unter anderem durch technische Defekte ausgelöst werden können. In einer Statistik wird das so dargestellt das die Zahl der Fehlalarme weit höher ist als die der beabsichtigten Aktivierungen.

Bei mir ist das so dass ich den Notsender nicht so sehr als Vorsorge für Wasserunfälle anschaffen möchte. Da sehe ich nicht den hauptsächlichen Bedarf zumal ich sehr vorsichtig bin und beispielsweise bei landauswärts-Wind wenn überhaupt nur äußerst ufernah paddele. Nach meinem Gefühl lauern die größeren Unfallgefahren eher auf dem Land, etwa in Stürzen, Schlangenbissen und vor allem in Schnittverletzungen. Außerdem gibt es ja noch so leckere Sachen wie Blinddarmdurchbrüche und andere plötzliche Krankheiten.

Wie gesagt ich suche halt immer wirklich entlegene Orte(wofür das Seekayak ideal ist), und bleibe da auch mal einige Zeit. Wenn ich mir jetzt vorstelle ich sitze da irgendwo am Strand und brate meinen Fisch und es könnte jederzeit sein das plötzlich so ein Militärhubschrauber kommt um mich zu „retten“, alleine dieser Gedanke wäre ja doch sehr unangenehm.
Also die Frage ist, kann man generell bei den aktuellen Geräten einfach den Akku rausnehmen um sie komplett auszuschalten und funktionieren sie sofort wieder wenn ich den Akku wieder einsetze oder gibt es noch andere Möglichkeiten (Schalter)? Auf den Hersteller-Seiten habe ich keine Antwort auf diese grundlegende Frage gefunden.
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
19. Februar 2005 22:27
Also, ich weiß jetzt nicht wie das gehen soll - habe davon auch noch nie gehört - das die Geräte VON SICH aus einen Alarm auslösen. Was ich bisher immer gehört habe und was so allerdings richtig ist, in der Vergangenheit waren über 99% aller Alarme, vornehmlich der von den uncodierten Baken (121,5/243) FEHLALARME. Das liegt wohl im wesentlichen daran, daß sie eben uncodiert sind und man nicht wirklich mal eben nachvollziehen kann, von dem der Alarm stammt. Das auslösen passiert durch Unachtsamkeit oder "ausprobieren" -> "wie geht denn das? Muss ich da dann draufdrücken -drück_drauf- ??"

Bei den 406ern ist das anders. Versehentliches Auslösen kann man, wenn man schnell ist, meist noch stopppen, da die Mehrzahl der Geräte erst nach ein paar Sekunden wirklich aktiv wird (aus eben diesem Grund). Dann haben sie alle eine Testvorrichtung, so daß man sie testen kann, OHNE einen Alarm auszulösen.
Batterie rausnehmen wird nur bei einer Bake gehen (bei den 406ern), bei der Fastfind. Hier ist die Battierie so angelegt, daß sie eben auch vom Benutzer selbe gewechselt werden kann und DARF. Während es bei den anderen Geräten eben nicht so ist. Man eben herumfummeln empfiehlt sich NICHT, es sei denn man will jegliche Garantier verlieren oder das Risiko eingehen, daß man nachher evtl. ein nicht mehr völlig dichtes Gerät hat...
Sprich, diese Option ist nicht vorgesehen.

Sollte es diese Fälle aber wirklich gegeben haben - selbstätige Aktivierung - so müßte der Reimar Kreutzfeldt davon wissen. Den würd ich dann einfach mal fragen, -> info@kk2.de
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
20. Februar 2005 09:16
Hi Steffen,

ich habe mich zwar bisher noch nie dafür interessiert, weil ich der Meinung bin wenn ich dran bin bin ich dran und da wird mir auch kein Epirb helfen, im Zweifel schaff ich es garnicht mehr auszulösen, weil ich eben verschusselt habe es am Mann zu tragen oder das Ding einen technischen Defekt hat.

Dazu dann auch noch der Preis. Was wäre mit Leihe, dann ist man wenigstens auf dem neuesten Stand? Was ist wenn da im System was geändert wird, dann war die Ausgabe umsonst?

Aber dein Beitrag hat denn doch mehr Interesse in mir geweckt und ich hab mal ein wenig gestöbert und das hier gefunden:

[www.forum-seenot.de]


Macht zumindestens für mich als Laien einen guten Eindruck, werde mich da auch nochmal einwenig einlesen.

Gruß Burkhard
Anonymer Teilnehmer
Re: EPIRB
20. Februar 2005 11:53
Burkhard,
das Cospas-Sarsat-System ist - gemessen an fast allem was heute "moderne Technik" genannt wird - ur-alt. Die Ursprünge gehen auf auf einen Flugunfall in den 70ern zurück, wo neben dem Flugzeug auch ein Kongreßabgeordneter auf Nimmerwiederfinden verschwanden. Das System wurde erdacht und sukzessive aufgebaut und dann lediglich ergänzt. Verändern in dem Sinne, daß man mit einem Mal nutzlose Geräte hat, wird dort nicht geschehen. Die Tatsache das man die Satelitenantennen die für die 121,5 Mhz da sind, in ein paar Jahren abschalten, bzw. einfach in den leeren Raum wegdrehen wird, ist schon seit v-i-e-l-e-n Jahren bekannt. Der Zeitpunkt wurde lediglich immer und immer wieder nach hinten verschoben. Das man davon im Handel nichts hört und man weiterhin die "Einsteiger-Modelle" angeboten bekommt, nirgendwo den Hinweis findet, daß ihre einsatzmöglichkeiten in ein paar Jahren - lange bevor die Lithiumbatterien ihre 5-Jahres-Mindesthaltbarkeit (und damit ihren Wechselzyklus) erreicht haben, spricht nur mal wieder für die Gesetze des Handels und gegen die Anbieter, nicht jedoch gegen das System.
Die 406er sind mittlerweile ein fester und auf lange Zeit unumstößlicher FAKT. Allerdings sind diese Baken teuer in der Anschaffung und im Unterhalt, das schreckt viele der "sparsamen" Skipper ab. Teure Schiffe - ja klar - aber teure Sicherheitstechnik? Nö, lieber mehr Geld in der "Spritkasse".

Übrigens - die "alte" 121,5Mhz-Technik ist selbst nach dem "abschalten" der Sateliten, nicht aus der Welt. Die 121,5 Mhz Frequenz ist immer noch die uinternationale Flugnotfallfrequenz! Zwar ist die Pflicht der Flieger diese abzuhören abgeschafft worden, aber viele hören sie immer noch ab und wenn es besteht weiterhin zumindest die theoretische Chance das ein 121,5 Alarm gehört wird. Aber darüber könnte denn nur ein Flieger Auskunft geben, fehlt mir die Ahnung. Fliegerei ist ein widerum verdammt kompliziertes Geschäft. Was da abgeht, z.B. in der Segelfliegerei... das sind wir hier absolute Waisenknaben...

Ich könnte jetzt noch soviel dazu erzählen, spar mir das aber. Gehe jetzt spülen und die "Räumung" machen.
tschö - Jochen
Anonymer Teilnehmer
Vorsicht geht vor Schicksalsergebenheit
20. Februar 2005 13:42
Hallo Burkhard
Das mit dem „wenn ich dran bin, bin ich dran“ sehe ich völlig anders. Meiner Meinung nach kann man die Gefahr an sich (bei einer Kayaktour und auch im sonstigen Leben) auf ein Minimum reduzieren wenn man sich intensiv über potentielle Gefahrenquellen informiert und die Vermeidung solcher Situationen sowie das Reagieren darauf geistig durchspielt. Wie gesagt, ich hatte mich mit dem Thema Epirb bisher überhaupt nicht befasst obwohl ich ja schon einige lange Solo- Touren gemacht habe.
Vielleicht wird man mit dem Alter vernünftiger. Letztes Jahr bin ich knapp drei Monate von Cairns nach Thursday Island (Cape York) gepaddelt, das sind über 1000 km Küstenlinie, davon ab Cooktown fast 800 km fast völlig unbesiedelt. Meistens bleibe ich an einer Stelle mehrere Tage oder auch mal eine Woche.

Ich denke wenn man da draußen in eine Situation gerät aus der es ohne Hilfe kein Überleben gibt (tiefe Schnittverletzung, Schlangenbiss, Blutvergiftung, Blinddarm usw) dann wird man plötzlich sehr, sehr dankbar sein so einen Notsender dabei zu haben.
Im Cape-York-Gebiet und der umliegenden See sind schon einige Menschen durch Epirb gerettet worden, hauptsächlich Segler und Bushwalker. Im Internet habe ich auch von einem Kayak- Fall gelesen: Vor ein paar Jahren wurde einer von drei Paddlern die etwa die gleiche Strecke wie ich befahren haben von einem Krokodil angegriffen als er zehn Minuten lang knietief im Wasser gestanden und am Boot rumgefuchtelt hatte. Er wurde am Bein schwer verletzt
und zwei oder drei Stunden nach Epirb-Aktivierung vom Hubschrauber abgeholt. Der Mann hat sogar sein Bein behalten obwohl sich eine Krokodil-Verletzung praktisch immer innerhalb von Stunden schwer entzündet.

So ein Unfall könnte mir nie passieren weil ich dort niemals so lange im Wasser rumstehen würde. Wahrscheinlich waren die Jungs noch ziemlich naiv und sind auf Ihrer Tour haarscharf an weiteren Gefahren vorbeigeschlittert ohne es zu merken.
Bei meiner ersten Norwegen-Tour bin ich selbst wochenlang ohne jegliches Neopren rumgepaddelt und fröhlich barfuss zwischen den Felsen gewatet etwa um Seetang zu ernten.
Heute weiß ich wie extrem gefährlich kaltes Wasser ist und dass auch in den entlegendsten
Küstengebieten über Jahrzehnte treibende Flaschen an fast jedem Uferfelsen zerschellt sind.
Der Unterschied zwischen meiner Gefährdung heute und früher ist also nicht Schicksalgegeben sondern Resultat einer durch Lernprozess bzw. der Aufnahme von Informationen entstandenen Vorsicht.

Das mit dem Ausleihen ist für mich übrigens nicht so interessant wg. der langen Zeitspanne. Mein Boot in Australien habe ich mir dort auch gekauft und gelagert. (Current Designs Storm, sehr gutes Teil)

Gruß
Steffen
Anonymer Teilnehmer
Re: Krokodile und Epirb
20. Februar 2005 14:24
Hi Steffen,

ich bin ja trotz meiner Einstellung auch kein Draufgänger. Nur den anderen Sicherheitskram kann ich anderweitig noch gebrauchen.

Die Abschottung hält meine Sachen trocken, der Trockenanzug hält mich warm auch wenn ich ihn vielleicht im Kentreungsfall nie brauche, die Schwimmweste kann ich als Kopfkissen nehmen, an der Rundumleine kann ich was zum trocknen aufhängen usw..

So ein Epirb aber eben nur für einen jedenfalls für mich eher unwahrscheinlichen Fall. Gemessen an der Zahl der Reisenden liegen die Rettungsfälle nur durch Epirb irgendwo im fast nicht mehr darstellbaren Bereich.

Und ob ich immer die Disziplin hätte das ständig am Mann oder Frau zu tragen, na ja vielleicht.

Wenn ich das Geld überhätte würde ich es allerdings auch kaufen.

Schön ware dann aber auch ein Gerät wo man eingeben kann was man denn so hat. Was nützt es wenn du dank Epirb im Falle eines Schlangenbisses noch lebend angetroffen wirst, die Jungs aber kein Serum haben, dann könnte die Zeit auch nicht mehr reichen.

Gruß Burkhard


P.S.

Schöne Tour die du da gemacht hast, aber obacht Krokodile greifen da auch so an. Also wer mal angegriffen wird mit beiden Fingern kräftig in die Augen drücken (die vom Krokodil natürlich). Das hat schon geholfen .....
Anonymer Teilnehmer
Vorsicht geht vor Schicksalsergebenheit - Bingo -
20. Februar 2005 17:00

Salute Steffen,

Du hast mir aus der Seele gesprochen:

< das mit dem „wenn ich dran bin, bin ich dran“ sehe ich völlig anders. Meiner Meinung nach kann man die Gefahr an sich (bei einer Kayaktour und auch im sonstigen Leben) auf ein Minimum reduzieren wenn man sich intensiv über potentielle Gefahrenquellen informiert und die Vermeidung solcher Situationen sowie das Reagieren darauf geistig durchspielt. >

< Der Unterschied zwischen meiner Gefährdung heute und früher ist also nicht Schicksalgegeben sondern Resultat einer durch Lernprozess bzw. der Aufnahme von Informationen entstandenen Vorsicht. >

- Bingo. - Genau das wollte ich mit dem Methodiker vs. Empiristen (= Lernen durch Try and Error) - Thread sagen. Diese "wenn ich dran bin "- Sprüche mögen zwar oberflächlich bei Unerfahrenen Eindruck machen, verhindern aber effektive Denkarbeit und somit den wichtigen Lernporzess. Deswegen habe ich auch kein Verständnis dafür, wenn Udo Beiers Unfallanalysen mit Kommentaren wie "jetzt kommen die Aasgeier" belegt werden. Informationen gewinnt man durch praktische Erfahrung und theoretische Aneignung, sei es durch Bücher oder Internet.
Ein ganz hevorragendes Buch ist meiner Meinung nach das Buch "Gefahren der Alpen", das ein österreichischer Arzt und Bergretter verfasst hat. Hier werden eine Unzahl von schweren Bergunfällen systematisch analysiert. Bei genauerer Analyse kann die Ursache der meisten Unfälle typischen Muster oder Clustern zugeordnet werden, z.B. die Benutzung von "Abkürzungen", Orientierungsverlust, Wettersturz, Stolpern, Lawinenanbgang, Stein- und Eisschlag, Absturz durch Blick durch den Fotoapparat, mangelnder körperlicher Trainingszustand etc.
Bei genauer Analyse kommt ein erstaunliches Resultat zutage: Die meisten tödlichen Unfälle beruhen auf banalen menschlichen Fehlern die durch Beachtung weniger Informationen vermeidbar gewesen wären.
Mitnichten ist das Groß der tödlich Verunglückten Opfer unvermeidbarer "Schicksalsschläge". Es bleibt unbestreitbar ein Restrisiko, das auch durch sorgfältigste Vorsichtsmaßnahmen nicht weiter minimiert werden kann, das sind in den Alpen vor allem Lawinenabgänge, Fels - und Eisschlag, beim Paddeln wohl plötzlich auftretende Stürme. Statistisch verunglücken in den Alpen jedoch die Meisten aufgrund vermeidbarer Fehler.
Allein durch den Grundsatz: - immer auf dem Weg bleiben, nie ohne Karte, Wetterbericht hören und ein Satz wasserdicht verpackte Skiunterwäsche dabei -, hätte Hunderte von tödlichen Unfällen vermieden werden können.

Ich persönlich habe deswegen eine ganz private "Allergie" gegen solche "wenn ich dran bin.. etc. " Sprüche, da sie dazu verführen, einen von der Pflicht zu anstrengender Denkarbeit entbinden.

Grüße Mark
Anonymer Teilnehmer
Re: Krokodile und Epirb
20. Februar 2005 17:25
Moin,

ich vermute, daß ich derjenige bin, der von Wolfgang gemeint ist, seine Sache selbst zu erzählen.

Ich habe so einen uralt-EPIRB heute noch, wenn ich ihn auch nicht mehr verwende.

Und als ich ihn verwendet habe, war das gar keine so große und direkt gefährliche Angelegenheit: niemand war verletzt, von einem wilden Tier halb aufgefressen, vergiftet; kein Blinddarm war durchgebrochen, kein Bein gebrochen.

Wir saßen nur ganz einfach mitten in der arktischen Tundra in Kanada - und der Buschflieger hatte ganz simpel vergessen, daß er uns abholen sollte.

Am dritten Tag des Wartens haben wir dann den EPIRB aktiviert. Es dauerte dort erst mal einen guten Tag, bis ein SAR-Flugzeug kam, uns ein Funkgerät am Fallschirm runterwarf und anschließend unsere Abholung organisierte. Die lange Dauer ist einfach damit zu erklären, daß wir uns in einer über hunderte von Kilometern unbewohnten Gegend befanden.

Die vielen Fehlalarme stammen zumindesten zum Teil auch daher, daß die an Bord von Flugzeugen verwendeten Geräte meist auf heftige Stöße automatisch zu funken begannen. Hintergrund war: bei einem Absturz sollte das Gerät auf jeden Fall zu arbeiten beginnen, auch wenn die Besatzung nicht in der Lage war, es selbst einzuschalten. Fehlalarme waren von daher auch durchaus zu erwarten, z.B. nach heftigem Aufsetzen beim Landen.

Nach unserer Abholung im Busch wurden wir nach Cambridge Bay gebracht. Im dortigen Hotel trafen wir auf eine Gruppe Piloten, die Cessnas aus USA nach Europa überführten. Und einer der Piloten erzählte uns, daß er am Abend vorher seine Tasche, in der sich auch ein EPIRB befand, sehr hart auf den Boden aufgesetzt habe, als er ausstieg. Aus dem noch eingeschalteten Funkgerät der Maschine hörte er kurz darauf die Stimme: "Welcher Idiot hat denn hier sein EPIRB eingeschaltet?"

Die Besatzung der SAR-Maschine ( eine Hercules der kanadischen Luftwaffe aus Edmonton ) hat uns auch mitgeteilt, daß die Signale unseres Gerätes sowohl über Satellit als auch von mehreren Flugzeugen aufgefangen worden seien. Über uns verlief eine Flugroute von der Pazifikküste nach Westeuropa.

Das Ganze spielte sich im Sommer 1990 ab. Von der SAR-Leitung in Edmonton erfuhren wir übrigens, daß diese Geräte in Kanada als Notfunke für "Buschleute" nicht erlaubt waren. Andererseits sagte man uns, daß wir natürlich in unserer Situation genau das Richtige getan hätten.

Heute würde ich empfehlen, mit einem Satelliten-Telefon in solche Gegenden zu reisen. Die kann man übrigens auch leihen. Das ist sicherlich auch nicht gerade billig, aber das sind EPIRBS auch nicht. Und mit ihnen kann man auch sonst mal telefonieren; sollte man allerdings einschränken, da die Gesprächsminute auch nicht gerade billig ist.

Die in Nordkanada auch zu leihenden Kurzwellensender haben sich nicht sonderlich bewährt. Bei einem Versuch - es handelte sich nicht um einen Unfall, sondern um den Versuch, den Abholungszeitpunkt am Eismeer zu ändern - den ein Paddler an der Mündung des Horton River in Nordkanada machte, hatte er keinen Erfolg. Er erreichte nur einen Trapper, den er bat, seinen Wunsch weiterzugeben, offensichtlich auch ohne Erfolg, denn sein Flieger kam genau an dem vor der Reise vereinbarten Termin.

Na, jetzt ist es schon eine lange Geschichte geworden. Aber vielleicht ist sie ja für den einen oder anderen doch interessant.

Gruß

Hermann Harbisch
Anonymer Teilnehmer
Re: Krokodile und Epirb
20. Februar 2005 21:25
Moin,
nach Auskunft eines befreundeten DGzRS Vormannes sind die meisten Fehlalarme bei den Geräten an Land, genauer im Kofferraum passiert, aus den bekannten Gründen.
Übrigens waren es 95% der Alarme! Wenn wir hier im zentralen Westeuropa paddeln, gehts doch auch ohne.
Und es wurde hier noch kein einziger Paddler wegen eines Gerätealarmes gerettet.
Bedenkt einmal die Größe des Suchgebietes, die Zeit der Alarmierung. Ist keine GPS-Position enthalten, ist das hier bei uns also fast überflüssig.
Die Vormänner wünschen sich oft noch die alten 121,5er Baken - die fährt man locker im homing Verfahren an. Die Technik verbleibt an Bord der Kreuzer.
Ist aber unnötig wenn Seefunke da ist. Einschalten, Träger aktivieren und Gesprächstaste gedrückt lassen. Ne Sauerei, aber funktioniert. Dann bei Annäherung der SAR-Dienste hat man mal was von dem elektronischen Ballast.

Krokodile haben auch die Unart, den Opfern die Beine zu brechen. Schwanzschlag genügt. Also nicht Salz auf den Schwanz streuen, das geht nur bei Hasen.
Die Krokos sind gut - im Zoo und im Handtaschengeschäft. Am Besten beläßt man sie ungestört in ihrem natürlichen Revier. Sie fressen sogar Schwäne, die Federn spucken sie nach 10 Minuten wieder aus.
Ja ja, PE testen sie auch mal, siehe Zambezi-Berichte.

Moinimoin
Eckehard
Anonymer Teilnehmer
Wer bezahlt die Kosten der Rettung?
23. Februar 2005 15:56
Wer bezahlt eigentlich die nicht unerheblichen Kosten der Rettung? Ist das per Land unterschiedlich? Ist eine entsprechende Versicherung vorgeschrieben?

-Joachim-
Anonymer Teilnehmer
Re: Wer bezahlt die Kosten der Rettung?
23. Februar 2005 16:40
Joachim, die Frage hatten wir doch schon des öfteren.
Hierzulande bezahlt man nichts, die DGzRS stellt keine Rechnung für echte Notfälle aus. Anders ist es wenn man sich nur in einer misslichen Lage befindet, für die Dusseligkeit 8auch Blödheit genannt) Schuld ist, wie z.B. Sprit alle und Schiff muss abgeschleppt werden. In solchen Fällen kann es sein, daß dem Eigner die anfallenden Realkosten in Rechnung gestellt werden.
Im Ausland ist es wohl verschieden. In NL gibt es bspw. häufig einen Wettlauf zwischen den ehrenamtlichen Rettern und den professionellen, die eben nur gegen Rechnung arbeiten und die ehrenamtlichen schon verklagt haben, weil die ja nichts kosten würden... tse.
Aber i.A. ist es so, Rettung von Rettungsorganisationen aus ECHTEN Notfällen kostet nichts. Ansonsten hat man oft in Unfallversicherungen o.ä. eine Klausel drin, die deckt auch Bergungskosten ab. Bei uns (Nordsee) war es so, meine Versicherung hätte Bergungskosten bis 100.000DM gedeckt. Wußten wir vorher gar nicht.

Retter die für die Rettung etwas verlangen würden sich bzw. der "Sache" auch mächtig ins Fleisch schneiden, denn das hätte zur Folge das man mit Notrufen womöglich wartet bis wirklich nichts mehr geht und somit wertvolle Zeit verschenkt, die dann nachher fehlt!
Anonymer Teilnehmer
Re: Wer bezahlt die Kosten der Rettung?
23. Februar 2005 18:21
Hi Jochen,

bei der DGzRS ist nur die Menschenrettung kostenlos. Sollte bei einer Seenot Sachhilfe (Schleppen etc.) anfallen, dann erwartet man eine "angemessene" Beteiligung an den entstandenen Kosten. Das kann u.U. nur durch eine Versicherung abgedeckt werden.
-Joachim-
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